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Architekturfotografie – Tipps für Anfänger und Fortgeschrittene

Architekturfotografie

Bild: Joel Tjintjelaar für den Film "Langzeitbelichtung von Architektur"

Herzlich willkommen im Architekturfotografie-Kanal von Foto.TV.! Ich bin Antje Terhaag und habe neben der Fotografie (und einer Fotoschule) ein Faible für moderne Architektur. FotoTV. hat in den letzten 14 Jahren über 3500 Video-Tutorials, Interviews und Fotokurse erstellt, darunter eine Fülle von Filmen, die sich um das Thema Architekturfotografie drehen.

Die Tipps zur Architekturfotografie sind dabei breit gestreut: Die Gebäudefotografie ist ein sehr dankbares Feld, denn die Motive bleiben ruhig stehen und beschweren sich nicht. Fotografie-Einsteiger können sich hier ungestört austoben, das fotografische Sehen trainieren, sich den verschiedenen Lichtstimmungen hingeben oder sich in Sachen Bildgestaltung üben. Für Fortgeschrittene ergeben sich Möglichkeiten der Abstraktion, Detailaufnahmen, ausgeklügelter Architekturfotografie-Nachbearbeitung und vieles mehr. 

Hinweis: Die Tipps sind mit den jeweiligen FotoTV.-Filmen verlinkt, aus denen sie stammen. So habt ihr die Möglichkeit, euch noch ausführlicher und detaillierter mit der Thematik auseinanderzusetzen. Zu jedem Film könnt ihr euch eine kostenlose Preview anschauen. Wenn ihr die Filme komplett sehen wollt, findet ihr weiter unten eine Möglichkeit, fünf Filme zum Thema “Architekturfotografie” freizuschalten, ohne dafür zahlendes FotoTV.-Vollmitglied zu werden. Mehr Informationen über FotoTV. und was euch bei uns erwartet, findet ihr hier.

 

1. Panoramafreiheit – Schlüssel zur Architekturfotografie

Gleich vorweggeschickt: Wir dürfen natürlich keine Rechtsberatung vornehmen – im konkreten Fall wendet euch bitte an einen Juristen und recherchiert die individuellen Gegebenheiten. Und schon sind wir mittendrin in der Architekturfotografie und es stellt sich die Frage: Darf man einfach so Gebäude fotografieren, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?

Menschen darf man ohne deren Einwilligung zumeist nicht fotografieren. Will man Gebäude fotografieren, muss das Recht ebenfalls beachtet werden. Der entsprechende Paragraf in Deutschland ist § 59 des Urheberrechtsgesetzes:

Gesetz über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (Urheberrechtsgesetz):

§ 59 Werke an öffentlichen Plätzen

(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.

(2) Die Vervielfältigungen dürfen nicht an einem Bauwerk vorgenommen werden.

Ihr könnt also in Deutschland auf einer öffentlichen Straße stehen, ein Gebäude fotografieren und die Aufnahmen anschließend nutzen. Der Gesetzgeber schränkt hier bewusst die Rechte der Architekten und Eigentümer zugunsten der Allgemeinheit ein. Es gibt allerdings Ausnahmen, insbesondere, wenn die Fotos kommerziell genutzt werden. Informiert euch also, wenn ihr auffällige Architektur ablichtet.

So weit, so einfach. Im Detail gibt es dann wieder ein paar Einschränkungen:

Zum einen müsst ihr euch wirklich auf öffentlichem Gelände befinden. Ein Schlosspark kann durchaus Privatgelände sein, ebenso wie es Privatstraßen gibt. Hier seid ihr auf eure eigene Recherche angewiesen. In der Praxis gelten Wege, die man durch eine Schranke oder ein Tor betritt, als nicht öffentlich. Gleiches gilt, wenn man Eintritt zahlen muss, um das Gelände zu betreten. Zum anderen gilt diese sogenannte Panoramafreiheit beim Stehen auf besagten öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen mit euren Füßen, kurz gesagt so, wie ihr das mit eigenen Augen wahrnehmt. Für eure Architekturfotografie bedeutet das also keine Leiter, kein meterhohes Spezialstativ, keine Drohne. Und auch keine Bilder aus dem Fenster gegenüber, auch wenn die Perspektive noch so reizvoll ist. Dafür braucht ihr dann jeweils eine Erlaubnis.

Wichtig ist auch der Hinweis auf die äußere Ansicht. Mit einem Teleobjektiv in Wohnungen zu fotografieren, ist durch die Panoramafreiheit ebenfalls nicht gedeckt. Innenräume dürfen nur mit Genehmigung fotografiert werden – das gilt auch, wenn ihr öffentliche Gebäude fotografieren wollt, beispielsweise in Museen. Werft dort einen Blick auf die Internetseiten oder fragt nach, wie es mit der Fotografiererlaubnis aussieht.

Im Ausland wird das Ganze sehr unterschiedlich gehandhabt. In Belgien war es noch vor ein paar Jahren so, dass man Gebäude nur fotografieren durfte, wenn der Architekt mehr als 70 Jahre lang tot war. Mittlerweile wurde dies geändert, ist aber auch europaweit nicht einheitlich geregelt. Macht euch also vorher schlau, wenn ihr im Ausland fotografiert. Für viele Gebäude wie beispielsweise den Grand Central Terminal in New York kann man eine Genehmigung für das Fotografieren in der Halle mit Stativ bekommen, muss diese aber mit gewissem Vorlauf beantragt haben.

Rechtsanwalt Dirk Feldmann kennt sich in solchen Detailfragen bestens aus und geht in unserem FotoTV.-Film zum Recht in der Architekturfotografie auf weitere Spezialfälle ein.

Fotorecht Bildrechte rechtliche Bestimmungen Fotos
Diese Architekturfotografie-Ausrüstung braucht ihr!
Gut gefiltert - mit Michael Jordan

2. Diese Architekturfotografie-Ausrüstung braucht ihr!

In der Architekturfotografie lässt sich alles verwenden, was ihr habt: Kameras, Objektive und Zubehör finden ihren Platz je nach Bildidee. Dennoch gibt es ein paar Klassiker, die einem die Architekturfotografie zumindest erleichtern:

Objektive für Architekturfotografie sollten eine kurze Brennweite haben, wenn ihr euch vor dem Gebäude aufhaltet und nicht nur Details fotografieren möchtet. Je weitwinkliger, verzeichnungsfreier und lichtstärker euer Objektiv ist, desto leichter könnt ihr damit Gebäude fotografieren. Die Brennweite bei Architekturfotografie kann also gar nicht kurz genug sein. In der Architekturfotografie habt ihr mitunter wenig Platz nach hinten, manchmal könnt ihr nur von einer Straßenseite zur gegenüberliegenden fotografieren und seid über jeden Zentimeter dankbar, den das Objektiv erfasst. Ihr könnt euch auch mit einer Normalbrennweite behelfen und eine Serie mit überlappenden Bildausschnitten fotografieren, die ihr in der Bildbearbeitung zusammensetzt (Stitching), wenn euer Weitwinkelobjektiv nicht ausreicht.

Das Objektiv für Architekturfotografie schlechthin ist das Tilt-und-Shift-Objektiv. Will man Architektur fotografieren, hat man es meist mit Motiven zu tun, die einem buchstäblich über den Kopf wachsen. Um das ganze Gebäude aufs Foto zu bekommen, muss man die Kamera nach oben kippen (Tilt) und wird dafür mit stürzenden Linien bestraft, die sich auch in der Nachbearbeitung nicht verlustfrei ausgleichen lassen. Mit der Shift-Funktion des Tilt-und-Shift-Objektivs kann man nach oben Architektur fotografieren, ohne die Kamera zu schwenken, Motiv und Bildebene bleiben dadurch parallel. Nachteil der Tilt-und-Shift-Objektive sind der recht hohe Preis und ein wenig Einarbeitung, weshalb sich die Anschaffung nur für echte Architekturfotografie-Enthusiasten bzw. Profis lohnt.

Was ihr in der Architekturfotografie ebenfalls haben solltet, ist ein Stativ. Je höher ihr damit eure Kamera angebracht bekommt, desto besser – es gibt sogenannte Hochstative, die ein paar Meter Höhe erreichen können. Dazu (und auch sonst) gehört eine Leiter zur Architekturfotografie-Ausrüstung. Aber auch wenn euer Stativ nur bis zur Augenhöhe geht: Achtet auf einen geschmeidig einstellbaren Kugelkopf oder Getriebeneiger, denn Architekturfotografie ist Millimeterarbeit.

Wer stürzende Linien als Gestaltungsmerkmal schätzt und gerne Hochhäuser steil nach oben fotografiert, braucht entweder einen guten Physiotherapeuten für den Nacken oder einen Winkelsucher. Das kleine Hilfsmittel lässt euch bei der Gebäudefotografie bequem geradeaus schauen, während ihr die Kamera steil nach oben ausrichtet. Wenn ihr jetzt sagt, „ich habe doch ein Klappdisplay“, dann ist das ein gutes Argument, wenn ihr vom Stativ aus arbeitet. Wenn ihr aber aus der Hand Architektur fotografiert, arbeitet ihr idealerweise durch den Sucher, um die Komposition auf einen Blick zu erfassen und die Kamera bestmöglich zu stabilisieren. Die beste Kamera für Architekturfotografie ist – ihr ahnt es sicher – die, die ihr dabeihabt. Der Rest hängt vom Anspruch ab: Je größer der Sensor eurer Kamera ist, desto mehr Gebäude bekommt ihr bei gleicher Brennweite aufs Foto.

Was ihr sonst noch an Architekturfotografie-Ausrüstung dabei haben solltet, hängt vom konkreten Plan ab. Michael Jordan arbeitet beispielsweise gerne mit Farbfiltern. Wie es so seine Schwarz-Weiß-Architekturfotos noch dramatischer gestaltet, zeigt er euch im dazugehörigen Film.

Architekturfotografie
Lohnende Architekturfotografie-Einstellungen

3. Lohnende Architekturfotografie-Einstellungen

Unsere Architekturfotografie-Tipps in Sachen Kameraeinstellungen: Gebäude rennen in der Regel nicht davon, wenn man sich der Architekturfotografie widmet – kurze Belichtungszeiten sind also nicht notwendig. Ganz im Gegenteil: Will man Gebäude fotografieren, sind lange Belichtungszeiten ein wesentliches Stilmittel. Für die langen Belichtungszeiten tagsüber braucht ihr gute ND-Filter, die das Licht zurückhalten. Am besten habt ihr mehrere solcher Filter in unterschiedlichen Stärken, die ihr für die gewünschte Aufnahmezeit kombinieren könnt. Neutrale Graufilter leisten nicht nur in der Architekturfotografie gute Dienste, sondern auch in der Landschaftsfotografie.

Warum will man in der Architekturfotografie lange belichten? Im Wesentlichen aus zwei Gründen. Erstens bekommt ihr mit Langzeitbelichtungen – sofern vorhanden – wunderschön ziehende Wolken und weiches Wasser. Zweitens verschwinden bei langen Belichtungszeiten Menschen, die sich durchs Bild bewegen und in der Architekturfotografie stören würden.

Wenn ihr also beim Gebäude-Fotografieren mit den Belichtungszeiten spielen könnt, habt ihr Spielraum bei ISO und Blende. Wählt eine kleine ISO (je nach Kamera ISO 100 oder ISO 200), um Bildrauschen zu vermeiden. Gerade in der Architekturfotografie solltet ihr Wert auf scharfe, rauscharme Bilder legen. Die ISO ist der eine Parameter, die Blende der andere. Drei Faktoren spielen eine Rolle, wenn ihr einen geeigneten Blendenwert ermittelt: Die Schärfentiefe ist der Bereich vor und hinter dem Fokuspunkt, der durchgängig scharf ist. In der Architekturfotografie sind künstlerische Unschärfen selten erwünscht, daher müsst ihr so weit abblenden, bis euer gesamtes Motiv scharf ist. Dazu kommt, dass Objektive in einem bestimmten Blendenbereich bauartbedingt ihre maximale Schärfe ausspielen. Welcher das ist, könnt ihr für euer Objektiv recherchieren, zumeist muss man ein paar Blendenstufen abblenden. Wenn ihr jetzt aber denkt, ihr könnt die Blende einfach komplett schließen, weil dann alles scharf ist: So einfach ist es nicht. Zum einen bekommt ihr dann nicht die beste Abbildungsleistung des Objektivs, zum anderen könnte euer Foto dann vor Sensorflecken wimmeln (bei einer Sensorreinigung bekommt ihr üblicherweise eine Garantie für Fleckenfreiheit bis Blende 8). Tastet euch zwischen Blende 6,3 und 8 an die Sache heran, das sind gute Ausgangswerte.

Architekturfotografie-Legende Joel Tjintjelaar erklärt im Architekturfotografie-Kurs (Teil 1), wie er die besten Belichtungswerte ermittelt und den Bildaufbau angeht.

Online fotografieren lernen mit FotoTV.

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Architekturfotografie klassich
Architektur fotografieren: So gelingt der Einstieg

4. Architektur fotografieren: So gelingt der Einstieg

Der simpelste aller Tipps für Architekturfotografie ist gleichzeitig auch ein sehr wirkungsvoller: Wenn ihr eine Fassade fotografieren wollt, richtet euren Sensor (also die Kamera) exakt parallel zum Gebäude aus. Das sieht sofort professionell aus. Schon eine kleine Abweichung macht in der Gebäudefotografie den Unterschied zwischen klassischer Aufnahme und zufälligem Schnappschuss aus. Eine frontale Aufnahme sollte daher präzise ausgerichtet sein. Natürlich kann man aus ganz unterschiedlichen Winkeln – je nach Architektur – fotografieren. Wenn man neben der Fassade auch noch ein wenig von der Seite des Gebäudes sieht (Kavaliersperspektive), kann man Räumlichkeit erzeugen.

Wie in jedem Genre spielt das Licht eine entscheidende Rolle. Wenn ihr bei Gegenlicht oder frontalem Licht Gebäude fotografieren müsst, können sie sehr flach wirken, während leicht seitliches Licht alle Vorsprünge, Fensterläden, Stuckverzierungen oder Säulen plastisch hervortreten lässt und der Architektur Tiefe verleiht.

Vermeidet stürzende Linien, wenn ihr sie vermeiden könnt bzw. nicht bewusst einsetzt. Wenn ihr niedrige Gebäude fotografieren wollt, ist das nicht sehr schwer, dann könnt ihr die Architektur fotografieren, ohne die Kamera zu kippen. Manchmal habt ihr die Chance, aus größerer Distanz Gebäude zu fotografieren, gerade vor Monumentalbauten findet man große Plätze oder Alleen, die darauf zulaufen, oder man kann von einer leichten Anhöhe fotografieren, dann sogar mit längeren Brennweiten. Das hat den Vorteil, dass die Proportionen schön wiedergegeben werden können. Proportionen spielen in der Architekturfotografie eine wichtige Rolle – angefangen bei Bauherren und Architektinnen, die immer auch die Wirkung ihrer Gebäude von unterschiedlichen Blickwinkeln planen. Bei Kirchen beispielsweise muss die Imposanz vor der Pforte genauso sein wie aus weiter Ferne, die Höhe der Kirchtürme muss also genau austariert sein.

Die Erbauer hatten also bereits eine bestimmte Wirkung im Blick, dazu kommen noch die künstlerische Idee und der Verwendungszweck in der Architekturfotografie. Es lohnt sich, sich einen Moment lang auf das Gebäude einzulassen, seine Funktion und die Gestaltungsabsicht der Architekten zu hinterfragen und dann zu überlegen, ob man sich in seiner Architekturfotografie dem unterordnet oder sich entgegenstellt, also beispielsweise ein Gebäude wie ein Schloss stilistisch wie moderne Architektur fotografiert und umgekehrt.

Interessant wird dabei in der Architekturfotografie eine Drohne: Hat man eine Einwilligung und erfüllt auch sämtliche anderen Voraussetzungen zur Drohnenfotografie, kann man mit geringer Flughöhe ganz fantastisch Gebäude fotografieren, mit Blickwinkeln, die einem weder Flugzeuge noch Stative ermöglichen.

Eine gute Quelle zur Vorbereitung ist das Architektur-Bildarchiv (www.architektur-bildarchiv.de). Hier könnt ihr eine Fülle von Bauwerken recherchieren – von der Anschrift über Informationen zum Gebäude selbst bis hin zu Ansichten aus verschiedenen Perspektiven. In Kombination mit Werkzeugen wie Google Earth und den einschlägigen Fotografen-Tools zu Sonnenstand etc. könnt ihr eure Architekturfotografie bestens vorbereiten und terminieren.

Michael Jordan zeigt euch in diesem Film, wie er sich in der Architekturfotografie der perfekten Aufnahme annähert, und auf was er dabei alles achtet.

Zentralperspektive in der Architektur
Alte Gebäude fotografieren – ein Kinderspiel

5. Alte Gebäude fotografieren – ein Kinderspiel

Monumentale Architektur früherer Epochen zeichnet sich durch enorme Symmetrie aus, genauer gesagt durch den Anschein von Symmetrie, denn tatsächlich gibt es wie in einem Suchbild immer wieder Abweichungen, beispielsweise in der Zahl und Anordnung von Fenstern.

In der Architekturfotografie kann man dem Rechnung tragen, indem man sich zentral positioniert und auf eine exakte Ausrichtung der Kamera achtet, sodass die Sichtachsen sich an einem Punkt entlang der mittleren Vertikalen treffen. Hier braucht ihr ein Stativ, das sich sehr fein justieren lässt, und die entsprechende Geduld. Die Achsen der Bauwerke und auch der Gartenanlagen müssen mit den Sichtachsen im Bild übereinstimmen, das könnt ihr auch in der Nachbearbeitung nicht großartig korrigieren. In vielen Gebäuden schneiden sich mehrere Achsen an zentralen Punkten. Marcus Schwier, Architekt und Fotograf, erklärt im Video, wie man aus der Zentralperspektive Gebäude fotografieren kann und worauf er insbesondere achtet.

Wer im Urlaub gerne in Kirchen oder Schlösser geht, um zu fotografieren, kennt das Problem: Immer, wenn man selber die Architektur fotografieren möchte, wird an eine Stelle restauriert. Dann hat man Gerüst und Plane im Bild oder zieht ergebnislos von dannen – und kommt vermutlich nie wieder an den Ort. Hier kann man sich die Symmetrie der Gebäude wunderbar zunutze machen: Ihr sucht die exakt mittige Ausrichtung und könnt so in der Nachbearbeitung, die eine Seite des Bauwerks vertikal auf die andere Seite spiegeln. Mit ein paar Anpassungen an die Lichtverhältnisse habt ihr die Bauarbeiten spurlos beseitigt. Einer der kleinen Tipps zur Architekturfotografie für alle, die sich gerne an der Bildbearbeitung austoben.

Moderne Gebäude fotografieren – unsere Tipps
Architekturfotografie modern

6. Moderne Gebäude fotografieren – unsere Tipps

Was in der Architekturfotografie klassischer Bauwerke zumeist vermieden wird – Asymmetrie und das stürzende Linien –, führt bei moderner Architektur zu großartigen Ergebnissen.

Ein Klassiker unter den Architekturfotografie-Tipps ist gerade bei höheren Gebäuden: Stellt euch zentral vor den Eingang und fotografiert in einem sehr steilen Winkel oder senkrecht nach oben die Fassade. Die massiv stürzenden Linien geben den Bauwerken enorme Dynamik. Die guten alten Eckenläufer, also Linien, die exakt in den Bildecken auslaufen, helfen euch bei der exakten Ausrichtung der Kamera und unterstützen die dramatische Wirkung noch. Wenn ihr das häufiger macht und nicht jedes Mal ein Stativ verwendet, vergesst den Winkelsucher aus unserem Architekturfotografie-Tipp #2 nicht!

In der Industrie- und Architekturfotografie moderner Gebäude lassen sich Strukturen sehr schön herausarbeiten. Was früher Stuck und Erker waren, sind heute raffinierte Fensterkonstruktionen, Verschattungssysteme und neuartige Oberflächenmaterialien. Hier kann man das Spiel von Licht und Schatten lange beobachten und fotografieren. Starke Anschnitte und Ausschnitte können bis zu einer abstrakten Anmutung gehen – Objektive dieser Architekturfotografie können dann auch lange Brennweiten haben.

Moderne Bürogebäude haben gerne große Glasflächen zu bieten – in der Elbphilharmonie spiegelt sich die Skyline der gesamten Hamburger Innenstadt. Wenn man solche Gebäude fotografieren will, sollte man auf den Himmel achten: Wolkenloser oder durchgehend grauer Himmel sind „universell nutzbar“, denn die Reflexionen werden nicht von einzelnen Wolken dominiert – und man kann in der Nachbearbeitung freier agieren. Wolken aus einer Glasfassade herauszuretuschieren, ist kein Vergnügen. Wenige kleinere Wolken sind schön bei Langzeitaufnahmen – sie erzeugen die feinen Schleier im Himmel. Wie auch immer: Ihr solltet eine Vorstellung vom fertigen Bild haben und für die Architekturfotografie auf das passende Wetter warten.

Michael Jordan zeigt euch im Film, wie er sich modernen Bauwerken nähert und wie seine Architekturfotografie aussieht.

Was sich für die Gebäudefotografie moderner Architektur stets anbietet, ist die Umwandlung der Fotos in Schwarz-Weiß. Klare Konturen, Kontraste und Strukturen betteln förmlich darum. Wer Freude an nächtelanger Bildbearbeitung hat, kann sich hier wunderbar austoben und wird mit kleinen oder großen Kunstwerken belohnt.

Wanderblitz im Marmorsaal
Architekturfotografie-Tipps für das eigene Haus

7. Architekturfotografie-Tipps für das eigene Haus

In der Architekturfotografie für das eigene Haus oder bei Hochglanzwerbung im Makler-, Hotellerie- oder Gastronomiebereich darf es gerne ein bisschen mehr sein: mehr Atmosphäre, mehr Aufwand, mehr Lametta – wobei mit Lametta Licht gemeint ist – und mehr Nachbearbeitung. Diese Art, Gebäude zu fotografieren verlangt nämlich, das finale Bild aus mehreren Einzelbildern zusammenzusetzen, um die besondere Lichtstimmung jeder Aufnahme zu verschmelzen.

Das Ganze beginnt natürlich schon im Vorfeld mit der Suche nach dem optimalen Standort und dem Entfernen aller störenden Elemente wie der Regentonne oder dem Gartenschlauch. Will man Gebäude so fotografieren, muss die Inszenierung stimmen. Das Motiv muss in der Umgebung wirken, also stellt das Stativ so, dass Gebäude und umgebende Landschaft besonders elegant angeordnet sind. Am Tag des Shootings braucht ihr Kaiserwetter mit viel blauem Himmel und einem schönen Sonnenuntergang – wir beginnen in der Zeit um den Sonnenuntergang. Die Kamera bleibt auf dem Stativ und wird nicht mehr bewegt, alle Aufnahmen werden mit Fernauslöser gemacht.

Das erste Bild entsteht zu Beginn der blauen Stunde, wenn das Licht für das Gesamtbild am schönsten erscheint. Danach muss es schnell gehen: Mit einem Systemblitz auf einem Einbeinstativ (als Verlängerung) rennt ihr durch den Garten und blitzt ein paar Stellen gezielt an – den Teich, eine separate Terrasse, Blumenbeete, den Hauseingang, alles, was auf dem Bild Aufmerksamkeit auf sich ziehen soll. Achtet darauf, dass ihr beim Auslösen nicht genau zwischen dem jeweiligen Motiv und der Kamera steht. Und arbeitet so zügig, dass sich die Lichtverhältnisse draußen nicht völlig verändert haben, bis ihr die Einzelbilder im Kasten habt. Am Schluss, wenn es schon recht dunkel wird, werden im Haus alle Lichter angeschaltet. Das letzte Foto zeigt nun die erleuchteten Fenster und gibt einen Blick ins Haus frei – vielleicht sogar mit Menschen in den Räumen.

In der Nachbearbeitung (ihr braucht eine Software, in der ihr mit Ebenen arbeiten könnt) legt ihr die Aufnahmen übereinander und maskiert die „Highlights“ aus: die erleuchteten Fenster, die angeblitzten Details und die Lichtstimmung der Umgebung. Dass das Interieur bei entsprechendem Umgebungslicht gar nicht wirklich so von innen strahlen kann, merkt ihr nur, wenn ihr wisst, wie solche Architekturaufnahmen entstehen.

Rüdiger Schestag zeigt in seinem Architekturfotografie-Tutorial, wie er den Systemblitz auch in Innenräumen nutzt, um verschiedene Stellen im Raum zu akzentuieren.

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Architekturfotografie-Tutorial für Innenaufnahmen
Enge Räume fotografieren

8. Architekturfotografie-Tutorial für Innenaufnahmen

Unsere Tipps zur Architekturfotografie dürfen natürlich nicht vor der Tür stehen bleiben. Auch die Innenarchitektur muss berücksichtigt werden in der Gebäudefotografie.

Hier hat man mit ein paar Tücken zu kämpfen. Wenn man nicht gerade in einem Ballsaal steht, braucht man eine sehr kurze Brennweite, um viel vom Raum aufs Foto zu bekommen. Damit werden Motive im Vordergrund – Stühle, Tische etc. unproportional groß gezeigt. Unterschiedliche Lichtquellen können verschiedene Farbtemperaturen und Helligkeiten aufweisen. Fast immer muss man ein bisschen umarrangieren – Papierkörbe aus dem Weg stellen, Blumen drapieren, Vorhänge auf- oder zuziehen. Erster Tipp für Architekturfotografie in Innenräumen: Macht Testaufnahmen und seht sie euch auf einem möglichst großen Monitor an, da fallen störenden Elemente schneller auf als im Raum oder auf dem Kameradisplay.

Christian Wadsack gibt im elfteiligen Innenarchitekturfotografie-Kurs Hilfestellung für alle Situationen, die man in Gebäuden vorfindet und wie man sie professionell meistert.

Besonders schwierig erscheinen im ersten Moment sehr kleine Räume zu fotografieren: kein Platz, sich zu drehen und zu wenden. Der Trick ist hier nicht, sich um die eigene Achse zu drehen, sondern die Perspektive vertikal zu wechseln. Bei einem interessanten Boden kann man von schräg oben zu raffinierten Architekturfotos kommen. Manche Zimmer sind aus der Froschperspektive besonders sehenswert. Was in kleinen Räumen immer geht, sind Detailfotos. Auch eine Serie interessanter Ausschnitte gibt dem Betrachter eine gute Vorstellung von einem Raum.

9. Architekturfotografie-Nachbearbeitung für Profis

Post Produktion Architekturfotografie

Die Architekturfotografie ist ein großartiges Feld, um sich in der Bildbearbeitung kreativ auszutoben sowie neue Techniken zu erlernen und anzuwenden. Klare Linien im Motiv erleichtern das Freistellen, vieles lässt sich in Schwarz-Weiß noch dramatischer darstellen.

Einen guten Einstieg in die Architekturfotografie-Nachbearbeitung bieten moderne Gebäude mit klaren Linien. Hier kann man sich langsam herantasten, ehe man komplexere Bauwerke bearbeitet.

Will man mehr als eine reine Basisbearbeitung in der Architekturfotografie-Nachbearbeitung machen, ist die Voraussetzung eine Software, in der mit Ebenen gearbeitet werden kann – der Klassiker ist Adobe Photoshop. Für eine feine Abstimmung der Schwarz-Weiß-Bearbeitung ist nach wie vor Silver Efex aus der Nik Collection das Mittel der Wahl - hiermit beginnt ihr.

Danach gilt es, jedes Segment des Gebäudes, das ihr separat verändern wollt, freizustellen. Das geht bei geradliniger Architektur blitzschnell mit dem Pfad-Werkzeug (Zeichenstift): Den Pfad abstecken, am Ende schließen, eine Auswahl erstellen und diese speichern. Um hier keine Lücken zu lassen, also dafür zu sorgen, dass alle Puzzlestücke perfekt ineinandergreifen, ist Fleißarbeit angesagt: Ihr müsst von der Architektur immer das größere Stück „abziehen“ und das kleinere behalten. Wenn ihr also einmal das komplette Bauwerk freigestellt und gespeichert habt, müsst ihr es wieder laden. Wenn ihr dann den rechten Teil freistellen wollt, pfadet ihr alles andere (also den linken Teil) aus und zieht dies von der vorherigen Auswahl ab. Das macht ihr immer wieder, bis ihr jedes Segment freigestellt, benannt und gespeichert habt.

Eine ganz einfach Variante, Akzente zu setzen: Legt für jedes Segment eine neue leere Ebene an und ladet die jeweils gespeicherte Auswahl dort als Mischmethode wählt ihr weiches Licht. Mit dem Verlaufswerkzeug könnt ihr so Reflexe ins Gebäude einarbeiten, die in der Natur so nicht vorkommen können. Für die fortgeschrittenere Bearbeitung arbeitet ihr tatsächlich am besten mit einem filmischen Architekturfotografie-Tutorial. Und wer, wenn nicht Joel Tjintjelaar höchstselbst, sollte dazu berufen sein. In einem mehrteiligen Architekturfotografie-Kurs erklärt er genau, wie er seine Architekturaufnahmen zu den stilprägenden Werken umformt, die sie unbestritten sind.

Wer es für den Anfang etwas einfacher bevorzugt: Mit etwas Nachschärfen, und zwar nur am Gebäude selbst, könnt ihr in der Industrie- und Architekturfotografie dafür sorgen, dass die Bauwerke deutlich ins Auge springen. Spart dabei aber Rasen, Wege, Bäume, Himmel etc. aus, sonst versandet der Effekt.

Architekturfotografie: Berühmte Fotografen prägen
Bernd Becher, Hilla Becher, Struth, Ruff, Gursky, Düsseldorf, Fotografie, Kunst

10. Architekturfotografie: Berühmte Fotografen prägen

Hilla und Bernd Becher prägten die Architekturfotografie, die Architekturfotografie-Geschichte und berühmte Fotografen nachfolgender Generationen: Andreas Gursky, Thomas Ruff, Thomas Struth, Candida Höfer, Boris Becker und andere gingen durch ihre berühmte "Düsseldorfer Photoschule". Dass sie so bedeutsam für die Fotografie, aber auch die Kulturgeschichte des Ruhrgebiets werden würden, war beiden in den Anfangsjahren nicht bewusst. Sie versuchten schlicht, Bauwerke fotografisch zu erhalten, die in der Wirklichkeit niemand mehr haben wollte – dass Zechen nach ihrer Schließung erhalten und nicht sofort dem Erdboden gleichgemacht wurden, ergab sich erst später.

Hilla Becher zuzuhören, wie sie im dreiteiligen Interview von ihrer Arbeit berichtet, ist nicht nur ein Vergnügen, weil immer wieder ihre Arbeiten eingeblendet werden, sondern auch, um ihre Herangehensweise zu verstehen. Vielleicht ist es für die eine oder den anderen Ansporn, einfach mal im eigenen Ort dokumentarisch tätig zu werden, an ein paar Türen zu klingeln und zu sehen, was heute unscheinbar ist, aber in ein paar Dekaden zum Schatz werden könnte. Wer dabei gerne eigene Welten erschafft, dem sei das Interview mit Axel Beyer über sein Projekt „Bebra Curiosa“ ans Herz gelegt.

Das Eintauchen in die Architekturfotografie-Geschichte ist wie in jedem anderen fotografischen Genre lohnend. Man entdeckt Fotokünstlerinnen und Fotografen, die man zuvor nicht kannte, findet Arbeiten, die etwas in einem auslösen, und bekommt Ideen für die eigene Architekturfotografie. Berühmte Fotografen haben in der Regel einen besonderen Stil – zu überlegen, was diesen Stil ausmacht, ist eine gute Übung. Aber auch in Museen, Galerien, Büchern, Zeitschriften oder im Internet finden sich unzählige Fotos zur Architekturfotografie. Gute fotografische Arbeiten zu studieren, gehört zu den wesentlichen Architekturfotografie-Tipps: Man lernt viel, ohne sich anstrengen zu müssen und völlig unabhängig vom eigenen fotografischen Hintergrund.

Fazit: Architekturfotografie ist ein ideales Genre für Einsteiger ...

 ... und ein endloses Feld für geübte Fotografen. Noch dazu kann man rund um die Uhr Architektur fotografieren oder sich an langen Winterabenden der Architekturfotografie Nachbearbeitung hingeben. Apropos Bearbeitung: In kaum einem fotografischen Genre könnt ihr euch am Rechner so austoben wie in der Architekturfotografie, ohne dass es künstlich oder unpassend wirkt – ganz im Gegenteil, hier könnt ihr neue Welten kreieren und Bauwerken eine völlig andere Anmutung geben.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesen Architekturfotografie-Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene einen Einblick in die Thematik verschaffen und eure Begeisterung für die Architekturfotografie wecken oder neu entfachen.

Ihr wollt noch mehr über das Thema ”Architekturfotografie” lernen und den nächsten Schritt in eurer Fotografie gehen? Kein Problem! Hier auf FotoTV. findet ihr unzählige Filme zu genau diesem Thema. Außerdem erwarten euch auch spannende Filme zu weiteren Facetten der Fotografie. Mehr Informationen zu FotoTV. findet ihr hier!

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FAQ: Häufige Fragen zur Architekturfotografie

Was ist Architekturfotografie?

Architekturfotografie beinhaltet - wie der Name wohl schon vermuten lässt - das Fotografieren von Architektur. Sie gilt als eines der ältesten Genres der Fotografie.

Wie erlerne ich die Architekturfotografie am besten?

Mit den Video-Tutorials auf dem Architekturfotografie-Kanal von FotoTV. meistert ihr die Architekturfotografie im Handumdrehen. Mit über 3500 Filmen ist FotoTV. der ideale Begleiter für alle, die mehr aus ihren Architekturfotos herausholen wollen – oder die ersten Gehversuche in der Architekturfotografie planen. Natürlich lernt ihr bei FotoTV auch alles über weitere Fotogenres, bekommt das volle Programm zur Bildbearbeitung und könnt euch über die wichtigsten Vertreter der Fotokunst informieren. Mehr Informationen dazu findet ihr auf: www.fototv.de/start

Welches Objektiv ist für Architekturfotografie optimal?

Natürlich lässt sich mit jedem Objektiv Architektur fotografieren, der Klassiker ist allerdings ein Weitwinkelobjektiv im Bereich 10 bis 24 mm, um ein Bauwerk in Gänze abbilden zu können. Profis greifen zu Tilt-and-Shift-Objektiven, um stürzende Linien im Bild zu vermeiden. Für Detailfotos oder Aufnahmen aus größerer Distanz eigenen sich längere Brennweiten.

Warum braucht man in der Architekturfotografie ein Stativ?

Aus der klassischen Architekturfotografie ist ein Stativ nicht wegzudenken. Zum einen ergeben sich beim Fotografieren mit Blendenwerten im Bereich ƒ1:7,1 bis ƒ1:11 bei niedriger ISO Belichtungszeiten, die aus der Hand nicht immer zu halten sind. Zweitens lassen sich mit Belichtungszeiten von mehreren Minuten (tagsüber den ND-Filter nicht vergessen!) Passanten ausblenden und Wolkenbewegungen einfangen, was Architekturbildern sichtlich entgegenkommt. Drittens kann man auf dem Stativ sehr präzise die zentrale Kameraposition austarieren, was in der Architekturfotografie besonders wichtig ist.

Wie kann man am besten moderne Architektur fotografieren?

In der Industrie- und Architekturfotografie kann man sich über neu entstehende Motive freuen, in denen Architekten ihre kühnsten Fantasien umgesetzt haben. Wenn man die Ideen der Schöpfer weiterspinnen will, eigenen sich steile Winkel mit stark stürzenden Linien gut. Auch schräge Perspektiven – die Kamera um die Objektivachse gedreht – mit klaren Diagonalen durch das Bild können großartig wirken. Haben die Architektinnen mit besonders ungewöhnlichen Formen oder strukturreichen Materialien gearbeitet, lohnt sich oftmals die Bearbeitung in Schwarz-Weiß.

Wann ist der beste Zeitpunkt, um Architektur zu fotografieren?

In der Gebäudefotografie kann man zu jeder Zeit interessante Bilder machen: In der goldenen Stunde, wenn die Sonne sehr tief steht, geben lange Schatten den Bauwerken Tiefe. In der blauen Stunde mischen sich in das wenige Tageslicht die erleuchteten Fenster oder angestrahlte Brücken, Kirchen und andere Landmarken. Auch in der Mittagssonne ist Architekturfotografie lohnend – beispielsweise für Innenräumen oder Details. Regen ermöglicht großartige Reflexionen in Pfützen und das klassisch weiche „Becher-Licht“, in dem Bauwerke eine fantastische Plastizität erhalten, ist das, was wir hier mehr haben, als uns manchmal lieb ist: hellgrauer Himmel über schattenloser Architektur.

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