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Portraitfotografie

Willkommen im Kanal "Portraitfotografie" bei FotoTV.!

Die Portraitfotografie (Porträtfotografie), das Fotografieren einer Person (manchmal auch mehrerer), ist eines der klassischen Genres der Fotografie, und es ist eines, das die Fotografierenden polarisiert: Entweder sie lieben die Portraitfotografie, oder sie machen einen weiten Bogen um Portraits. Das mag daran liegen, dass das „Motiv“ eine gewisse Erwartung an das Ergebnis hat – im Gegensatz beispielsweise zu Landschafts-, Architektur- oder Streetfotografie – und man mit der Reaktion des Portraitierten umgehen muss. Genau darin liegt auch die Herausforderung der Portraitfotografie: Man muss den handwerklichen Part meistern und mit Menschen kommunizieren, Erwartungen erfüllen und einen eigenen Stil finden. Aber der Reihe nach:
 

Verschiedene Arten von Portraits

Portraits lassen sich nach ihrem Zweck bzw. Inhalt wie auch nach ihrer Ansicht klassifizieren. Die bekannten Unter-Genres des Portraits sind

  •  Business (Bewerbungsfoto, Headshot etc.)
  •  Beauty-Portrait
  •  Charakter-Portrait
  •  Baby- und Kinderfotografie
  •  abstrakte und surreale Portraits

Es gibt natürlich weitere Bildgattungen, die Personen darstellen, denen die Fotografie aber eigene Kapitel gewidmet hat (Akt, Fashion, People, Hochzeit etc.). Viele verstehen unter einem Portrait das Foto eines Gesichts, aber damit endet das Portrait natürlich nicht. Es gibt

  •  Gesichtsbild / Kopfaufnahme
  •  Büste / Schulterstück
  •  Bruststück / Dekolletéschnitt
  •  Taillenbild
  •  Hüftschnitt
  •  Knieschnitt
  •  Ganzkörperbild

Es lohnt sich, mit den verschiedenen Schnitten zu experimentieren. Bei den Gesichtsansichten unterscheidet man zwischen

  •  En Face, frontale Aufnahme
  •  Viertelprofil / Dreiviertelportrait
  •  Halbprofil
  •  Dreiviertelprofil
  •  Vollprofil
  •  verlorenes Profil,

je nach dem, wie weit das Gesicht sich aus der Kamera dreht. Eine frontale Aufnahme kann sehr wuchtig wirken, andererseits aber prominente Nasen kaschieren. Viertel- und Halbprofil können Tiefe ins Bild bringen und Schokoladenseiten betonen, wobei beide Augen noch zu erkennen sein sollen. Beim verlorenen Profil wird hingegen das Augenmerk häufig auf die Hände gerichtet oder folgt dem Blick des Portraitierten. Wenn man alle Varianten durchgeht, entstehen mitunter sehr spannende Aufnahmen, mit denen man zunächst gar nicht gerechnet hat. Ein wenig Systematik schadet also nicht. Im Rahmen einer FotoTV-Challenge sollten Fotos eines Foodball-Players gemacht werden. Man kann sehr gut erkennen, wie unterschiedlich die Fotografierenden an diese Aufgabe herangegangen sind:

Sunbounce Portrait Fotografie, FotoTV.Challenge Sunbounce

 

Die Ausrüstung

Was braucht man für die Portraitfotografie?
Die Grundausstattung sind natürlich Kamera und Objektiv. Das eine Objektiv für jede Situation gibt es nicht. Grundsätzlich bemüht man sich, die Proportionen eines Gesichts möglichst natürlich und attraktiv einzufangen, was bei einer Brennweite im Normal- bis Telebereich gut funktioniert. 80 mm bis etwa 105 mm-Brennweiten
werden daher gerne als perfekte Portraitobjektive angesehen und lassen ein Gesicht schlanker erscheinen. An dieser Stelle aber der Hinweis, dass 50 mm immer 50 mm sind – auch bei einer Kamera mit Cropfaktor 1,5 wird daraus kein 75 mm-Objektiv. Weitwinkelobjektive (wie auch extreme Tele-Brennweiten) verändern die Proportionen eines Gesichts auf dem Foto. Aber auch im Weitwinkelbereich lässt sich arbeiten, da man so das Umfeld einbeziehen kann und interessante Charakterportraits gelingen. Wie immer geht die Empfehlung zu lichtstarken Objektiven, um mit offener Blende arbeiten zu können. Gerade in der Portraitfotografie hilft eine geringe Schärfentiefe, den Blick auf das Model zu ziehen. Je nach Lichtsituation empfiehlt es sich, Aufsteckblitz, Lichtformer und Reflektoren dabeizuhaben. Lösungen im unteren Preissegment reichen bereits, um das Licht vorteilhaft zu beeinflussen. Im Studio steht einem die ganze Palette an Blitzköpfen und Lichtformern zur Verfügung. Angefangen bei simplen Setups mit einem Licht bis hin zu aufwändigen Settings mit mehreren Lichtquellen und unterschiedlichen Lichtformern kann man sich schrittweise vorarbeiten. Bert Stephani ist ein großartiger (Portrait-)Fotograf und gewährt einen Blick in seine Fototasche, die er zuvor konsequent bereinigt hatte:

Bert Stephanis Ausrüstung

 

Die Location

Die Fotolocation wirkt sich in mehrfacher Hinsicht auf das Shooting und die Ergebnisse aus. Bei einem neutralen Hintergrund spielt es eine untergeordnete Rolle, ob es sich dabei um eine Hauswand, den Himmel oder einen Studiohintergrund handelt. Sobald die Szenerie zum Bildinhalt wird, also beispielsweise ein Handwerker in seiner Werkstatt oder ein Sportler bei der Ausübung seines Sports gezeigt werden soll, wird es Zeit, das Bild aufzuräumen: Störende Details werden vor dem Fotografieren entfernt und interessante Gegenstände in die Nähe des Portraitierten gebracht. Eine interessante Location bietet immer eine ganze Reihe von  Perspektiven und Möglichkeiten oder auch Lichtsituationen. Man sollte sich nicht zu schnell mit der Ausbeute zufriedengeben. Thomas Adorff fotografiert gerne on location und erklärt, wie man jeden Ort für sich nutzen kann:

Fotoshootings planen


Das Licht

Natürliches Licht

Ein großes Fenster – möglichst schon länger nicht mehr geputzt – sorgt zumeist für schönes, diffuses Licht. Wenn man sein Model am Fenster positioniert, hat man in der Regel schon beste Voraussetzungen für ein schönes Portrait mit feinem Seitenlicht und Glanzpunkten in den Augen. Je nach Lichtsituation im Rest des Raums ist jetzt der Einsatz eines Reflektors gefragt. Ein Faltreflektor mit unterschiedlichen Oberflächen sollte ohnehin bei jedem Fotografierenden vorhanden sein. Mit der silbrigen Seite lässt sich eine maximale Ausbeute an Licht erzielen, die goldfarbene Fläche erzeugt warmes Licht. Mit der weißen Seite ist die Reflexion milder, die schwarze Seite reduziert den Lichteinfall auf das Gesicht und kann dadurch den Kontrast zwischen zwei Gesichtshälften erhöhen. Das ist gerade bei Männerportraits wirkungsvoll. Eine gute Ausleuchtung kann man schnell erkennen, wenn man sich am Nasenschatten orientiert: Dieser sollte möglichst weich sein.
Drei ganz einfach Settings mit Fensterlicht stellt Nina Schnitzenbaumer vor – definitiv anfängertauglich!

Drei Settings mit Fensterlicht

Gelingsichere Portraits am Fenster präsentiert auch Bert Stephani:

Schnelle und gute Portraitfotos

Wem das noch zu wenig Natur ist: Mike Larson geht an den Strand und hat seine eigenen Ideen, das Licht für sich zu nutzen.

Outdoorfotografie, Fashionfotografie, Available Light

 

Im Studio

Im Studio ist Kreativität gefragt. Man kann mit einem hochfrontalen Licht und einem Reflektor arbeiten und damit die Situation im Freien nachahmen. Dahinter aber warten die Beleuchtungs-Setups, die man in freier Natur nicht vorfindet. Mit mehreren Lichtquellen und den entsprechenden Lichtformern ist man in seinen Möglichkeiten frei. Wer zum ersten Mal im Studio fotografiert, sollte sich ein geduldiges Model oder guten Freund mitnehmen, denn die Technik wird einen erst einmal völlig absorbieren. Ein guter Tipp ist es, sich bewährte Set-ups zu suchen und nachzustellen. Empfehlenswert ist ebenfalls, sich großartige Portraits anzusehen und zu versuchen, das Licht-Setting aus dem Foto zu rekonstruieren. Es gibt jede Menge Anleitungen und grafische Darstellungen von Beleuchtungs-Set-ups. Es muss nicht gleich das große Profistudio sein – ein Heimstudio ist schnell eingerichtet und ebenso schnell wieder im Schrank verschwunden. Wer es ausprobieren möchte, dem erklärt Martin Krolop, wie es geht:

Ausrüstung, Lichttechnik und Aufbau im Heimstudio

Im Studio kann man wunderbar das Portraitlicht mancher Maler nachempfinden. Rüdiger Schestag macht es am Beispiel der Renaissance vor:

Renaissance Portraits I

 

Menschen fotografieren

Die Erwartung

Wenn man ein professionelles Model einsetzt, kann man sich ganz auf seine eigenen fotografischen Ideen konzentrieren. Es ist dann zwar schön, wenn das Model die Bilder liebt und einen empfiehlt, aber es ist von zweitrangiger Bedeutung. Ganz anders muss man an die Sache herangehen, wenn man im Auftrag seiner Portraitkunden arbeitet. Zunächst sollte man bei der Präsentation seiner Arbeiten – auf der eigenen Website oder in anderer Form – darauf achten, dass der eigene Stil klar zutage tritt und der Kunde bereits weiß, welchen Look er zu erwarten hat. Je präziser man sich in dieser Hinsicht positioniert, desto eher
bekommt man die Kunden, die auch zu einem passen und die das Ergebnis eines Shootings bereits einschätzen können. Im zweiten Schritt gilt es, die Wünsche der Portrait-Kunden genau abzufragen und auch zu hinterfragen. Dabei kann man sich auch Bilder zeigen lassen, die die gewünschte Stilistik zeigen,
und Fotos, auf denen die zu fotografierenden Personen sich selbst gut gefallen. Das geht schneller als eine wortreiche Beschreibung – und vor allem kann man es sich leichter vorstellen. Beim Fotografieren lässt sich schnell sicherstellen, dass man auf dem richtigen Weg ist: Nach einigen Schüssen zeigt man die Bilder und holt sich die ersten Reaktionen. Man schafft dadurch Vertrauen und kann im Zweifelsfall noch nacharbeiten, wenn der Kunde sich noch nicht gefällt. Stephen Petrat hat für seine Portaitshooting einen Workflow aus fünf Schritten entwickelt, der ihm zügiges Arbeiten ermöglicht, vor allem aber eine entspannte Atmosphäre für alle Beteiligten sicherstellt.

Portraitshooting strukturieren

Wie man auch als Einsteiger ein anständiges Portfolieo aufbauen kann, weiß Bert Stephani:

Bert Stephanis Win-win-Situation

Ein paar Tricks, wie man eine gute Beziehung zu seinen Models aufbaut, verrät Dennis Weissmantel:

Dennis Weissmantel

Auch für Jérôme Gravenstein ist die Kommunikation mit Portraitierten der Schlüssel zu großartigen Bildern:

Umgang mit Kunden und Models


Posing

Welche Pose soll der Portraitierte einnehmen, um möglichst gut auszusehen? Um imposant zu wirken, sympathisch oder einfach nur ein wenig schlanker? Es gibt ein paar Kniffe, die so einfach wie wirkungsvoll sind. So reicht es manchmal, eine Schulter nach hinten zu drehen, damit sie nicht unproportional groß erscheint, oder sich aufzurichten und einzuatmen. Für den Anfang ist es wichtig, dass der Portraitierte sich vor der Kamera wohlfühlt und sich nicht zu sehr auf seine Haltung konzentrieren muss. Wer ein bisschen schüchtern vor der Kamera wirkt, den kann man über sein Lieblingsthema sprechen lassen – das funktioniert fast immer. Manchmal
reicht es schon, das Thema (das man ja im Vorgespräch bereits herausgefunden hat) anzusprechen, um eine spontane und freudige Reaktion zu bekommen. Wer sich wirklich der Portraitfotografie verschreibt, sollte sich intensiver mit dem Thema Posing auseinandersetzen, und zwar nicht damit, Posen auswendig zu lernen, sondern Ursache und Wirkung zu verstehen. Zum Warmwerden ein paar stehende Posen:

Stehendes Posing

 

Der eigene Stil

Jedes Foto ist ein Portrait – auch Landschafts- oder Architekturaufnahmen. Wie das? Jedes Foto kann man als Portrait des Fotografen sehen, der in jeder Aufnahme etwas von sich preisgibt. Der eigene Stil ist nichts statisches, er entwickelt sich im Laufe eines Fotografenlebens permanent weiter – und doch wird eine gewisse Handschrift immer zu erkennen bleiben. Für Profis ist ein klares fotografisches Profil immer auch ein Markenzeichen und damit ein Wettbewerbsvorteil. Das heißt aber nicht, dass man nicht permanent experimentieren und sich ausprobieren soll. Wer ein geduldiges oder neugieriges Model hat, kann mit Situationen, Locations, Bildaufbau, Posen, Lichtsetzung oder Accessoires spielen. Mit simplen Farbfolien lassen sich unerwartete Effekte in Portraits erzielen. Felix Rachor macht es vor.

farbfolien, portrait, lichtsetting


Bildbearbeitung

Grundretusche

Die Portraitfotografie braucht die Nachbearbeitung wie jedes andere Foto auch. Bei der grundlegenden Bearbeitung legt man daher nicht Hand an die Erscheinung der Portraitierten. Man präzisiert den Weißabgleich, reduziert vielleicht den Kontrast ein wenig, optimiert die Belichtung und sorgt für den gewünschten Look durch entsprechende Filter oder die Gradationskurven. Auch wer ein authentisches Portrait haben möchte, darf temporäre Erscheinungen wie Hautunreinheiten eliminieren. Mit dem Reparaturpinseln funktioniert das schnell und einfach, man sollte nur den Quellpunkt immer wieder wechseln. Calvin Hollwood hat einen ganzen Kurs zur Portraitretusche gedreht. Hier finden sich die grundlegenden Bearbeitungsschritte in Camera-Raw (Lightroom und Photoshop):

Beauty Workflow 2: RAW-Entwicklung

 

Flawless-Retusche

Bei der Beauty- oder auch Flawless-Retusche geht es um die perfekte Anmutung, auch wenn dies bedeutet, gelebtes Leben aus dem Foto zu eliminieren und ein kaum erreichbares Ideal zu schaffen. Spätestens jetzt wird der Verflüssigen-Filter eingesetzt, um Nasen zu begradigen oder der Augenbraue den perfekten Schwung zu geben. Mit der Frequenztrennung lassen sich Poren verfeinern und Flecken ebenso wegzaubern wie Glanzstellen. Dodge and burn wiederum leistet das, was man beim Schminken als Contouring kennt: Durch Aufhellen und Abdunkeln treten Teile des Gesichts in den Vordergrund, andere in den Hintergrund. Das Gesicht wirkt plastisch und attraktiv. Wie weit man in der Beauty-Retusche geht, hängt natürlich von den Wünschen des Kunden und der eigenen Haltung ab. In den weiteren Folgen seines Retusche-Kurses geht Calvin Hollywood in die Details:

Beauty Workflow 4: Frequenztrennung

 

Ein paar schnelle Tipps für die Portraitfotografie:

  •  Fokussiere auf die Augen. Wenn die Augen in unterschiedlicher Distanz zur Kamera sind, stell auf das Auge scharf, das der Kamera am nächsten ist.
  •  Fotografiere die Menschen auf Augenhöhe. Um Macht darzustellen, kann man ein klein wenig von unten fotografieren, aber wirklich nur einen Hauch. Aus einer höheren Position empfehlen sich nur Bilder, die eine ganze Szenerie einfangen sollen.
  •  Achte auf eine gut sitzende Frisur, nichts ist schwerer in der Nachbearbeitung zu korrigieren als die Haare. Eine Bürste gehört in die Kameratasche.
  •  Setze Accessoires ein, die zum Portraitierten passen – egal, ob Hut, Schmuck, ein Buch, ein Instrument, eine Tasse oder ein anderer Gegenstand.
  •  Hände aus dem Gesicht. Für Bilder, auf denen Hände im oder am Gesicht drapiert sind, sollte man sehr viel Ahnung vom Thema Posing haben.
  •  Frauenportraits profitieren von einer leichten Überbelichtung, da die Haut dadurch weicher und feinporiger erscheint. Männerportraits vertragen Konturen und Kontrast.

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