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Schwarzweiß und mehr per Plug-in

Analoger SW-Look im Vergleich - Teil 1

Die Fotos, die unsere Kameras liefern, sind in Grunde perfekt: Die Bildqualität ist überragend, die Farben sind korrekt und die Belichtung stimmt sowieso.

Doch manchmal ist das alles zu glatt und zu ‚sauber’ und man wünscht sich den Look eines alten Schwarzweißfilms mit seinen leichten Unzulänglichkeiten und seinem Korn zurück.

Um das Rad der Zeit fotografisch zurückzudrehen, gibt es eine ganze Reihe unterschiedlicher Plug-ins für Photoshop und Lightroom.

Doch welches dieser Programme ist eigentlich am besten geeignet?     

Analoger SW-Loog mit Plugins

Das digitale Ausgangsfoto (links), bearbeitet mit MacPhuns Intensify und umgewandelt in SW mit dem Tonality-Preset „Hitchcock“ (rechts). © Faces of Vegas, Model: Gretel Rosengard (https://www.facebook.com/GretelRosengard)

Das Testfeld

Ich habe mir unterschiedliche Plug-ins angesehen. Dabei unterscheiden sie sich nicht nur deutlich in ihrem Leistungsumfang, sondern auch im Preis:

TrueGrain von Grubbasoft, ca. 49,95 US-$ (http://grubbasoftware.com)

B&W Effects von Topaz Labs, ca. 59,99 US-$ (http://www.topazlabs.com/752-0-1-22.html)

Filmpack 5 von DxO, ca. 129 € (http://www.dxo.com/de/fotografie/foto-software/dxo-filmpack)

Exposure 6 von Alien Skin, ca. 149 US-$ (http://www.alienskin.com/exposure/)

Tonality von MacPhun, ca. 69,99 € (http://macphun.com/de/tonality)

Tools wie Alien Skins Exposure 6 (inzwischen gibt es Exposure 7, dieser Test wurde noch mit der Vorgängerversion durchgeführt) oder der DxO Film Pack 5 gehören dabei zu den höherpreisigen Plug-ins, bieten allerdings auch eine umfassende Lösung für Farb- und SW-Stile an.

TrueGrain, die B&W Effects von Topaz Labs und Tonality von MacPhun sind deutlich günstiger, nehmen sich aber auch nur der schwarzweißen Seite der Fotografie an.

Anzumerken ist noch, dass es alle Plug-ins sowohl für Windows als auch für Mac OS X gibt - mit Ausnahme von Tonality, das nur für den Mac erhältlich ist.

Mit allen fünf Programmen habe ich verschiedene analoge Filme simuliert.

Für den DxO Filmpack und Exposure 6 wurde das Profil für den Kodak Tri-X 400 nachgebildet.

Da alle Plug-ins mehr oder minder heftig in die Farbgestaltung und die Kontraste der Ausgangsbilder eingreifen, habe ich mit möglichst neutralen Ausgangsfotos gearbeitet, um die Wirkung der Tools vergleichen zu können.

Filmkorn wie aus der analogen Hexenküche?

Einer der beliebtesten Effekte zur Erzielung eines analogen Looks ist das Filmkorn. Jede Filmsorte und natürlich auch die verwendete Filmempfindlichkeit sorgte früher dafür, dass dem Foto ein ganz individuelles Aussehen verliehen wurde.

Um den Eindruck analoger Schwarzweiß-Filme zu erzielen, sollte in jedem Fall das Originalkorn des analogen Films glaubwürdig nachgebildet werden.

Außerdem soll natürlich die typische Empfindlichkeit des Films erzeugt werden.

Alle Programme meines Vergleiches geben hier an, sowohl „echte“ Filmfarben bzw. Graustufen als auch das Filmkorn simulieren zu können.

Filmkorn mit s/w Plugins für Photoshop
Das SW-Bild über „Sättigung verringern“ mit zusätzlichen digitalem Rauschen (links) fällt deutlich gleichförmiger aus als die SW-Umwandlung über ein Plug-in, wie hier als Ilford HP5 mit Topaz B&W Effects 2 (rechts). © Faces of Vegas, Model: Onna Sakura (www.onna-sakura.de)

Filmkorn ist durchaus mehr als ein einfaches digitales Rauschen, wie Ihr es beispielsweise in Photoshop über den Filter „Rauschen hinzufügen“ erzeugen könnt.

Analoges Korn besteht aus Zusammenballungen von Silberpartikeln, die für die Störung in dunklen Bildpartien verantwortlich sind.

Deren Verteilung ist einerseits nicht gleichmäßig und zum anderen ändert sich auch die Größe des Filmkorns je nach Filmtyp und dem benutzten Entwickler.

Um eine solch ungleichmäßige Störung nachzubilden, ist digitales Rauschen nur in geringem Maße geeignet.

Um ein überzeugendes Korn zu erzeugen, greifen die Anbieter daher entweder auf spezielle Algorithmen zurück, die das Originalkorn ‚nachberechnen’ sollen oder setzen auf gescanntes Original-Filmmaterial, dessen Korn gewissermaßen wie ein Dia über das Bild gelegt wird.

Filmprofile im Vergleich

Alle Hersteller behaupten natürlich, die besten, schönsten und authentischsten Simulationen zu bieten. Aber gibt es hier überhaupt einen Unterschied zwischen den Anbietern?

Ich habe zum Vergleich ein Foto aus Lightroom heraus in allen Programmen (mit Ausnahme von Topaz B&W Effects 2, wo es keine dezidierten Simulationen analoger Filmtypen sondern nur für das Filmkorn gibt) mit einer Basisvorlage für einen Kodak Tri-X 400 bearbeitet.

Als Ausgangsmaterial wurde das Farbbild benutzt, die Schwarzweiß-Konvertierung wurde dann ohne weitere Korrektur jeweils automatisch vom jeweiligen Plug-in durchgeführt.

Für TrueGrain, das nur als Standalone-Programm arbeitet und nicht in den Lightroom- bzw. Photoshop-Workflow eingebunden ist, wurde die Aufnahme als TIF gespeichert und dann in TrueGrain importiert.

Vergleich s/w Plugins
Die Testreihe: Das Ausgangsbild (1), B&W Effects 2 (2), Tonality (3), Exposure 6 (4), Filmpack 5 (5), TrueGrain (6) © Faces of Vegas, Models: Louise D’Ivoire (https://www.facebook.com/LouiseDivoire), Mirko B.

Im direkten Vergleich sieht man, dass es einige Unterschiede zwischen den Produkten gibt. Bereits die SW-Umwandlung fällt in den Standard-Einstellungen von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich aus.

Welche Anmutung hier die Beste ist, ist eine Geschmacksfrage und soll an dieser Stelle nicht bewertet werden, zumal die Grauwerte in den Programmen ja auch noch individuell gesteuert werden können.

Auffällig ist bereits die etwas matter wirkende Verarbeitung des Bildes durch den DxO Filmpack und die vergleichsweise harte Anmutung der TrueGrain-Version. Exposure 6, die B&W Effects und Tonality liegen optisch eher im Mittelfeld zwischen diesen beiden Umwandlungen.

Auf der Jagd nach dem optimalen Korn gibt es zwischen den Programmen deutliche Unterschiede: Das Ausgangsbild (1), TrueGrain (2), B&W Effects 2 (3), Tonality (4), Filmpack 5 (5), Exposure 6 (6); jeweils mit den Standardeinstellungen entwickelt. © Faces of Vegas, Model: Onna Sakura (www.onna-sakura.de)

In der Königsdisziplin Korn fällt sofort die Umwandlung von TrueGrain ins Auge, die mit kräftigem, echt wirkendem Korn erscheint.

Demgegenüber ist das Korn bei den B&W Effects 2 von Topaz Labs kaum auszumachen und entspricht kaum dem, was man von einem 400er Kleinbildfilm erwarten würde.

Auch Tonality zeichnet das Korn sehr sanft, erscheint mir aber in der Wirkung sehr stimmig.

Sowohl der Dxo Filmpack 5 als auch Exposure 6 liefern ein moderates Korn ab, das zwar ansprechend ist, im direkten Vergleich mit dem Ergebnis von TrueGrain jedoch gleichförmiger wirkt.

Auch hier ist ein beherzter Griff in die Reglereinstellungen notwendig, um ein besseres Ergebnis zu erzielen.

Ansonsten wirkt das Ergebnis von Exposure 6 etwas kontrastreicher als die DxO-Umwandlung.

Die Bildwirkung kann durch nachjustieren deutlich verändert werden. Hier die Ergebnisse der B&W Effects 2, des Filmpack 4 und Exposure 5 (v.l.n.r.).
© Faces of Vegas

Um eine ansprechende Schwarzweiß-Umwandlung mit Korn zu erhalten, kommt man nicht umhin, die Einstellmöglichkeiten der jeweiligen Plug-ins zu nutzen.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Unterschied im Ergebnis der B&W Effects 2, die mit einer Anpassung von Körnungsgröße und Körnungskontrast plötzlich ein ansehnliches Filmkorn erzeugen können.

Mit jedem Programm kann man, wenn man sich etwas mit den Einstellwerkzeugen beschäftigt, eine Vielzahl unterschiedlicher, ganz individueller Ergebnisse erzielen.

Fazit

Es lässt sich kaum festlegen, welches Programm besonders gut ist – hier kommt es viel zu sehr auf die gewünschte Wirkung und den Einsatzzweck an.

Gerade beim Thema Filmkorn gibt es kein objektives Kriterium, um das beste Korn herauszufinden. Hier zählt allein der persönliche Geschmack.

Auch die Handhabung des jeweiligen Tools ist natürlich nicht unwichtig. Hier reicht die Spanne von der sehr schlicht und technisch gehaltenen Oberfläche bis zum mit Menüs und Vorschauen voll ausgestatteten Paket.

Bezieht man den Kostenfaktor mit ein, ist das nur knapp 50 US $ teure TrueGrain mit seiner Leistung ein optimales Werkzeug, sofern man mit einer Handvoll Filmprofile auskommt, die etwas schlichte Ausführung nicht scheut und bereit ist, den Photoshop- oder Lightroom-Workflow zu unterbrechen.

Die B&W Effects 2 von Topaz und Tonality von MacPhun sind nur wenig teurer als TrueGrain und lassen sich als Plug-in flüssig in den Arbeitsablauf einbinden.

In der Preisregion unter hundert Euro wäre sicherlich eines dieser Programme meine erste Wahl.

Der Filmpack von DxO ist schon in der preislichen Oberklasse angesiedelt, ist aber ein echtes Universalwerkzeug, das angenehm zu bedienen ist.

Allerdings fiel der Filmpack bei mir negativ auf, da er sich aus Photoshop heraus nicht aufrufen lies, was zum umständlichen Weg über die Standalone-Version führt.

Das ist um so störender, da auch in Lightroom liegende Photoshop-Dateien nicht aufgerufen werden konnten.

Das beste Preis/Leistungsverhältnis im Bereich der „Alleskönner“ bietet hier allerdings Exposure 6 von Alien Skin, das nicht nur durch eine enorme Zahl unterschiedlicher Vorlagen besticht, sondern auch die umfangreichsten Einstellungsmöglichkeiten bietet.

Im direkten Vergleich mit den Photoshop-Bordmitteln erzielt man mit jedem dieser Programme mit relativ geringem Aufwand sehr gute Ergebnisse.

Möchte man seinen Fotos häufiger einen „analogen Look“ geben, ist man in jedem Fall mit einem dieser Zusatzprogramme gut bedient.

Im nächsten Beitrag werde ich Euch das TrueGrain Plug-in detaillierter vorstellen.

Alle hier gezeigten Fotos und Texte unterliegen dem Urheberrecht des Autors.

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5. August 2015 - 16:35

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