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Platz ist keine Entschuldigung - Fotoausstellungen im Außenbereich

Liebe FotoTV. Zuschauer,

ich hab mich bedingt durch die Bilderausstellung mit Andreas Bitesnich in den letzten Wochen mehr mit dem Thema Ausstellungen auseinandergesetzt, das ich in Zukunft auch stärker bei FotoTV. thematisieren möchte.

Gedruckte Bilder statt Facebook-Timeline

Als Fotografen haben wir uns die letzten Jahre viel damit beschäftigt, all die tollen Techniken zu lernen, die uns geboten wurden. Ich habe das Gefühl, dass jetzt weniger technische Themen in den Vordergrund rücken, darunter auch der Wunsch, die gemachten Fotos gut zu präsentieren.

Ein erster Schritt besteht darin, Fotos nicht nur in Facebook Timelines einen kurzen Moment der Aufmerksamkeit zu bescheren, bevor sie dann als Datenmüll auf Festplatten verschwinden, sondern sie zu drucken oder auszubelichten. Diesem Thema sind wir bereits in der Vergangenheit in unserem Fine Art Printing Kompaktkurs nachgegangen. Das gedruckte Bild bekommt meiner Meinung nach als Gegenbewegung zur digitalen Bilderflut gerade wieder mehr Gewicht.

Haben die Bilder dann eine physische Realität, stellt sich die Frage, was man damit macht und wie man sie zeigt.

Hier bieten unsere Filme mit Bojan Radoijkovic wertvolle Anregungen, wie man Bilder mit Passepartouts aufwertet und rahmt.

Eine eigene Ausstellung - der Wunsch vieler Fotografen

Und dann? Ich hab in der letzten Zeit mit einigen Fotografen gesprochen, die darüberhinaus gerne mal eine Ausstellung organisieren wollen oder zumindest von einer Ausstellung träumen. Es ist schon ein erhabener Moment, die eigenen Bilder an Wänden präsentiert zu sehen und wenn man einen künstlerischen Anspruch hat, möchte man auch, dass andere Menschen die eigenen Bilder sehen und im besten Fall Feedback geben.

Wie findet Ihr einen geeigneten Platz für Eure Ausstellung ?

In den Gesprächen, in denen der Wunsch nach der Organisation einer eigenen Ausstellung geäußert wird, kommt man jedoch meist schnell zu der Aussage, dass es so schwer sei, einen geeigneten Platz dafür zu finden. Museen würden ausscheiden, Galerien nähmen nur wenige Künstler in ihr Angebot auf und Räume zu mieten, sei zu teuer. Im besten Fall gäbe es Restaurants oder Arztpraxen, die sich anbieten, aber gefühlt sei das keine ‚echte Ausstellung’.

Das mag stimmen, aber es gibt vielleicht doch eine Lösung, an die viele nicht denken: Die Ausstellung im Freien!

Schaut Euch beispielsweise mal unseren Film über das Fotofestival Oberstdorf an. Dort findet ein Großteil der Ausstellungen unter freiem Himmel statt! Man hat einfach die Not zur Tugend gemacht und stellt dort Fotos mitten in den öffentlichen Raum.

Hier seht Ihr einige Bilder, wie die Organisatoren von Oberstdorf ihre Ausstellungen mitten in die Stadt, die Landschaft und auf Berge gestellt haben!

 www.popkes.com
Copyright: www.popkes.com

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Vorteile einer Ausstellung im öffentlichen Raum

Die Vorteile einer Ausstellung im öffentlichen Raum liegen auf der Hand:

a) An einer guten Stelle bekommt man allein durch vorbeigehende Passanten Tausende von Besuchern! In Räumen oder Museen gibt es viel weniger Besucherverkehr als auf der Straße!

b) Man kann mit viel größeren Formaten arbeiten als das klassische Räume zulassen

c) Bilder erscheinen in diesem Umfeld in einem ganz anderen Licht/Kontext, was ausgesprochen spannend sein kann

d) Im Gegensatz zu Museen und Galerien erreicht man auch Leute, die sich dem Kunstbetrieb sonst entziehen. Es macht mir immer wieder Spaß, bei Ausstellungen im Freien zu beobachten, wie Menschen mit Einkaufstüten oder Hunden innehalten und die Bilder betrachten – übrigens eigentlich eine sichere Situation für tolle Streetfotos, aber das ist ein anderes Thema.....

e) Solche Orte sind viel einfacher zu bekommen als Innenräume. Dazu gleich mehr.

f) Geschlossene Räume bringen Kosten mit sich, die man draußen nicht hat: Strom, Heizung, Reinigung usw. können sich schnell zu stattlichen Summen addieren.

Warum also denken so wenig Leute an Ausstellungen im Freien? Meine Vermutung: Weil man an das klassische Foto auf Papier denkt, das sich eben nicht so einfach an einen Zaun oder eine Fassade ins Freie hängen lässt. Wir alle kennen Papierfotos, die im Sonnenlicht die Farben verloren haben oder die durch ein paar Wassertropfen unwiederbringlich beschädigt sind. Diese Bilder an den Zaun eines Parks zu hängen? Undenkbar.

Moderne Drucktechniken für die Outdoor-Präsenation

Die gute Nachricht: Solch technische Gründe, NICHT ins Freie zu gehen, gibt es immer weniger. Die modernen Drucktechniken wie Direktdruck auf Alu Dibond und andere sind sehr günstig geworden und sind ausgesprochen robust gegen UV-Strahlung und Feuchtigkeit. Eine gute Übersicht über diese Materialien findet Ihr auf dieser Übersicht

Dabei sind Materialien wie Dibond oder PVC Planen keine Kompromisse mehr, sondern bringen ihre eigene Ästhetik mit, mit der man spielen kann.

 www.popkes.com
Copyright: www.popkes.com

Auch sehr spannend finde ich, die Vergänglichkeit von Installationen mit zum Konzept einer Ausstellung zu machen. Der französische Künstler ‚JR’ arbeitet zum Beispiel mit Prints auf normalem Papier, die er an Wände, auf Dächer etc. in riesiger Größe mit Tapetenkleister aufbringt. Wenn diese sich dann nach einigen Wochen auflösen, entsteht eine ganz eigene Ästhetik, die zu vielen Motiven sehr gut passt.

Als ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, ist mir aufgefallen, wie viele Beiträge wir schon haben, in denen Ihr Beispiele für Außenausstellungen findet:

JR - Frauen sind Heldinnen

Fotogipfel und FotoTV.Challenge 2015

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Schaut mal rein, da gibt es jede Menge Inspiration, um mal über eine Ausstellung Eurer Bilder unter freiem Himmel nachzudenken.

Wenn man sich diese Beispiele angesehen hat, dann sind hoffentlich Vorbehalte gegen Ausstellungen im Freien ausgeräumt. Was für Arles, Oberstdorf und die dort ausgestellten Künstler passt, kann nicht ganz falsch sein :-).

Wie kommt Ihr an eine Genehmigung?

Es bleibt dann noch die Frage, wie man an die Genehmigung kommt, Bilder im öffentlichen Raum aufzuhängen. Auch das ist nicht so schwer, wie man es sich vielleicht erst mal vorstellt.

Ein paar Ideen:

1.)    Hier in Köln in dem Viertel, in dem unser Büro ist, gibt es eine Initiative ‚Kalk Kunst’, die einmal im Jahr Kunstausstellungen organisiert. Solche Initiativen kenne ich aus verschiedenen Vierteln in Köln und es wird sie sicher auch in anderen Städten geben. Der Vorteil ist, dass diese meist schon mit den Städten und Behörden in Kontakt stehen und dass Genehmigungen dann schnell und unkompliziert zu bekommen sind. Außerdem machen solche Initiativen Werbung in einem Maße, wie man es als Einzelkämpfer wahrscheinlich kaum hinbekommt.

2.)    Ganz ohne Genehmigung: vielleicht einfach mal an die eigene Hauswand denken? Sicher nicht für jeden eine Option, aber für den einen oder anderen sicher möglich. Schaut insbesondere in den Film unter d) mal rein, da nutzt der Besitzer eines kleinen Fotoladens ein kleines Stück Fassade für tolle Ausstellungen.

3.)    Keine Angst vor Behörden: Man kann natürlich über Bürokratie stöhnen, aber meine Erfahrung ist, dass man mit freundlichem Nachfragen oft weiter kommt als gedacht. Natürlich müssen Behörden ihrer Rolle gerecht werden und dafür sorgen, dass keine Gefahren oder Kosten für die Städte entstehen, aber wenn dafür gesorgt ist, ist ja eine Fotoausstellung keine Straftat. Ein paar Anrufe und Ihr wisst mehr....

4.)    Stadtfeste: Ähnlich wie Initiativen sind dies Events, die eine Menge Zuschauer ziehen und im Rahmen derer es meist einfacher ist, Genehmigungen zu erhalten.

5.)    Geschlossene Geschäfte und Fassaden von Fabriken, Büros etc. Diese bieten oft eine traurige Ansicht und die Eigner sind froh, wenn man etwas dagegen tut. Auch können sie sich dann damit schmücken, Kunst und lokale Initiativen zu unterstützen und so haben dann alle etwas davon.

6.)    Bauzäune: Auch diese sind hervorragende Wände für Ausstellungen... Wer sonst kann schon mal eben ein, zwei hundert Meter Wand bereitstellen, um große Bilder zu zeigen?

Diese Liste ließe sich sicher noch fortsetzen, aber die Idee ist glaube ich klar: Eine Kunst/Fotoausstellung ist, wenn die Bilder nicht zu schwer verdaulich sind, eine Bereicherung für den öffentlichen Raum und sollten als solche nicht sooo schwer unterzubringen sein.

Ich hoffe, ich konnte Euch einige Gedankenanstöße geben und dass der eine oder andere mal die ersten Schritte wagt. Es ist einfach ein tolles Gefühl, die eigenen Bilder an der Wand zu sehen und wenn diese dann RICHTIG groß sind und unter freiem Himmel stehen, dann hat sich die Mühe gelohnt.....

Euer Marc

 

21. März 2016 - 12:39

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