You are here

Femme fragile - weibliche Kurven in der Produktfotografie - Die Bildbearbeitung

Nachdem es im vorherigen Beitrag um das Shooting, die Bildidee, den Aufbau und das Lichtsetup für das Projekt "femme fragile" ging, machen wir heute mit dem Feintuning weiter - der Bildbearbeitung.

Hier beginnt mein Workflow in Lightroom. Die Kontraste und Klarheit werden erhöht, die Schwarztöne verstärkt. Die filigrane Nachbearbeitung findet allerdings in Photoshop statt.

Bevor ich überhaupt mit der Nachbearbeitung anfange, wird die Hintergrundebene kopiert (Strg + J). Meine erste Ebenenkopie heißt immer „Korrekur“ - egal ob ich Produkt- oder Peoplefotos bearbeite. Hier werden die Makel am Model ausgebessert. Bei diesem Shooting waren das u.a. Fussel auf der Glasplatte, aber auch kleinere Kalkflecken oder Lufteinschlüsse im Glas. Hierfür verwende ich gerne das Ausbessern-Werkzeug. Erst nach  einem sehr kritischen Blick in der 100%-Ansicht, in der ich mich davon überzeuge, dass ich wirklich nichts Störendes übersehen habe, wird diese Ebene kopiert.

Da ich nun mit dem Camera Raw-Filter arbeiten und die Änderungen im Nachhinein noch verändern können möchte, wird diese Ebene in ein Smartobjekt konvertiert. Entweder mit einem Rechtsklick auf die Ebene > in Smartobjekt konvertieren oder über das Menü Ebene > Smartobjekte > in Smartobjekt konvertieren. Erst dann wende ich den Camera Raw-Filter an (Menü Filter > Camera Raw-Filter). Und das ist jetzt eigentlich der wichtiges Schritt für dieses Projekt. Denn durch die Kontraste im Bild möchte ich die Kurven meiner Models besonders herausarbeiten. Somit habe ich Anpassungen in der Klarheit, im Kontrast, in den Tiefen und in den Schwarztönen vorgenommen.

Bildbearbeitung in Photoshop

Um mich immer wieder von dem Ergebnis zu überzeugen, springe ich häufig zwischen der Hintergrundebene und meiner obersten Ebene. (Alt-Taste gedrückt halten und auf das kleine Symbol „Auge“ in der Hintergrundebene klicken).

Meine ursprüngliche Shootingidee war jetzt eigentlich damit umgesetzt. Aber irgendwie fehlte da noch etwas. Etwas mehr Weiblichkeit, etwas Zartes, Fragiles – aber auch etwas Farbe. Inspiriert durch Eberhard Schuy und eines seiner letzten Videos kam ich auf die Idee, ein Insekt mit einzubauen. Und was ist schöner, bunter und vor allem zarter als ein Schmetterling? Einige denken jetzt vielleicht „Nichts leichter als das. In meinem Archiv habe ich doch genug Fotos von Blumen, Bienchen und auch Schmetterlingen.“ Das dachte ich auch, aber so einfach war es leider nicht.

Da die Lichtsituation bei diesem Shooting sehr speziell war, musste natürlich auch der Schmetterling in einem Licht fotografiert sein, das zu der Lichtstimmung in meinem Foto passt. In meinem Archiv aus mehreren tausend Fotos habe ich nur ein einziges Foto von einem Schmetterling gefunden, das für dieses Projekt in Frage kam. Aufgenommen in der Mittagssonne, also in einem harten Licht direkt von oben. Und da zeigte sich mal wieder, wie wichtig es ist, die Bilder in Lightroom mit Stichwörtern zu versehen und die Kamera immer dabei zu haben. In Lightroom habe ich keine weiteren Anpassungen vorgenommen. Damit ich die Farben und Lichtverhältnisse besser aneinander anpassen kann, habe ich mich entschieden, die weitere Bearbeitung des Schmetterlingfotos in Photoshop zu machen.

Schmetterling Nachbearbeitung in Photoshop

Wie immer, zuerst „STRG + J“ - Ebene kopieren. Dann geht’s los! Freigestellt habe ich den Schmetterling mit dem Schnellauswahlwerkzeug. Hier heißt es jetzt sehr gewissenhaft arbeiten. Besonders bei den Fühlern und Beinen muss man ganz genau darauf achten, dass man alles ausgewählt hat. Lieber zuviel auswählen und im Nachhinein noch etwas mit dem Radiergummi nacharbeiten. So habe ich es auch gemacht, besonders bei den feinen Härchen am Kopf des Schmetterlings.

Da ich drei Models hatte, sollten die Schmetterlinge auch unterschiedliche Farben haben. Wäre ja auch sonst zu einfach. Also habe ich eine Sättigungskorrektur hinzugefügt und habe über den Farbtonregler die Farbe ausgewählt, die meine Schmetterlinge haben sollten. Da sich aber dann der komplette Schmetterling verfärbt und ich eigentlich nur die Flügel umfärben wollte, habe ich mit dem Pinsel, einer schwarzen Pinselspitze und 100% Deckkraft die Bereiche in der Ebenenmaske übermalt, die nicht eingefärbt werden sollten. Das waren z.B. der Körper, die Fühler, die Beine und die dunklen Ränder der Flügel, sowie die dunklen Punkte in den Flügeln. Nachdem ich die drei Schmetterlinge jeweils als PSD-Datei gespeichert habe, um evtl. im Nachhinein die Farben noch anpassen zu können, habe ich den freigestellten Schmetterling und die Sättigungskorrektur auf eine Ebene reduziert. Dafür habe ich diese beiden Ebenen markiert, Rechtsklick auf eine der Ebenen und dann den Punkt „auf eine Ebene reduzieren“ wählen. Jetzt kann ich den Schmetterling einfach in mein Flaschenfoto ziehen, das im Hintergrund in Photoshop geöffnet ist.

Der Schmetterling wird umgefärbt

Nun heißt es, die richtige Position für die kleinen Schmuckstücke finden. Dabei ist es wieder wichtig, auf die Lichtstimmung, aber auch auf die Körperhaltung des Schmetterlings zu achten. Da er von der Seite fotografiert wurde, war für mich klar, dass er nur an einer Kante bzw. am Rand sitzen kann. Nämlich genau dort, wo auch das Licht auf die Flasche fällt. Über das Verschieben-Werkzeug habe ich ihn so gedreht, dass die Beine des Schmetterlings auch realistisch die Flasche berühren.

Da die Lichtstimmung noch nicht ganz perfekt zusammenpasste, habe ich die Schmetterlings-Ebene noch einmal kopiert, in ein Smartobjekt konvertiert und nochmal den Camera Raw-Filter angewandt. Hier habe ich zum einen die Belichtung, die Tiefen und die Schwarztöne verringert, aber auch nochmal die Sättigung etwas erhöht. Über die Gradationskurve habe ich zusätzlich noch die dunklen Farbtöne und die Tiefen verringert. Wobei hier „verringert“ bedeutet, dass ich einen negativen Wert (z.B. -11) gewählt habe.

Finetuning in Photoshop

So, nun könnte man meinen: FERTIG! - Nein!!!

Eigentlich ganz logisch. Wo sich das Licht spiegelt, muss sich auch irgendwo der Schmetterling spiegeln. Und da wurde es nochmal richtig kniffelig. Ich kann Euch da leider keinen ultimativen Trick verraten. Auch ich habe lange probiert und bin schließlich wie folgt vorgegangen: Ebene kopiert, horizontal gespiegelt, Deckkraft reduziert. Die Deckkraft liegt je nach Flasche zwischen 30 und 55%, wobei ich Teile des Schmetterlings mit dem Radiergummi und einer Deckkraft von 50% noch weiter in der Deckkraft reduziert habe. Hier hätte man auch mit der Ebenenmaske und einer schwarzen Pinselspitze arbeiten können. Die Position der Spiegelung habe ich dem Lichtsetting angepasst. Heißt also, ich habe mir überlegt, woher das Licht kommt und wo dann die Spiegelung auf die Flasche fallen würde. Die Proportionen der Spiegelung habe ich mit dem Transformierenwerkzeug der Krümmung der Flasche angepasst, d.h. ich habe sie in der Breite etwas reduziert. Ich denke, bei der Bearbeitung der Spiegelung ist wahrscheinlich ein bisschen physikalisches Gespür gefragt.

Wenn ich von vornherein gewusst hätte, dass ich die Schmetterlinge in der Nachbearbeitung einbauen möchte, hätte ich natürlich schon während des Shootings schauen können, wo die Spiegelung etwa entsteht. Das hätte mir die Arbeit sicher erleichtert. Aber bei diesem Projekt kam bekanntlich eins zum anderen, so dass ich aus der Situation heraus gehandelt habe. Diese Arbeitsweise stellt zwar immer wieder eine Herausforderung dar, zeigt mir aber auch, dass ich Lösungen finde. Manchmal sind es altbekannte Arbeitsschritte, manchmal aber auch völlig neue Werkzeuge oder Kombinationen aus beidem.

Irgendwann kam dann aber doch der Moment, wo auch ich dachte „Fertig. Das ist es“. Es gab nichts mehr, was mich irgendwie gestört oder irritiert hätte. Für mich war es einfach perfekt. Jedes einzelne Bild für sich. Ursprünglich wollte ich die 3 Bilder einzeln in mein Portfolio aufnehmen. Aber als ich sie so nebeneinander auf dem Monitor gesehen habe, schrie es in mir förmlich nach einer Collage. Der Name „femme fragile“ war plötzlich in meinem Kopf. Was hätte die Weiblichkeit und Zerbrechlichkeit auch besser beschreiben können. Um zusätzlich noch eine Verbindung zwischen den Flaschen und den Schmetterlingen herzustellen, habe ich zu jedem Bild passend einen entsprechenden Schriftzug (wine, flowers, champagne) in der jeweiligen Farbe des Falters mit einer Deckkraft von 30% eingefügt. Dieser sollte nicht dominieren sondern das Gesamtbild abrunden.Die Schriftfarbe habe ich mit der Pipette direkt aus den Flügeln der Schmetterlinge ausgewählt.

Objektfotografie - Stillife - Femme fragile

So hat sich bei diesem Projekt einfach eins zum anderen ergeben und ist letztlich zu einem besonderen Hingucker geworden.

Das fertige Bild

Mir geht es oft so, das ich viele Ideen im Kopf habe, aber im Detail noch nicht weiß, wie ich sie umsetzen kann. Bei diesem einen Mal habe ich mich einfach mal von meinem Gefühl leiten lassen und wurde dafür belohnt.

Ich würde mich freuen, wenn ich den ein oder anderen unter Euch mit meinem Beitrag auch dazu animieren könnte, die Ideen einfach mal anzugehen und zu schauen, wie sich die Dinge entwickeln. Bei Auftragsshootings ist es natürlich ratsam, nicht einfach planlos drauflos zu shooten. Aber bei ganz eigenen Projekten (nicht nur in der Objektfotografie) kann Euch das vielleicht zu ganz neuen und unerwarteten Ergebnissen führen.

Alle hier gezeigten Bilder und Texte unterliegen dem Urheberrecht des Autors.

Vielleicht interessieren Euch ja auch folgende Filme zur Bildbearbeitung in der Produkt- und Objektfotografie oder zu Photoshoptechniken:

Still Life Bilder nachbearbeiten

Lichtführung Stillifefotografie, Bildideen Stilllife

Schmuckfotografie mit Schuy - Retusche 1

Schmuckfotografie mit Schuy - Retusche 2

Ebenenkomposition

Chrom retuschieren

Photoshop Kanten glätten, Freigestellte Kanten weichzeichnen,

Einsatz von Ebenenmasken

265_farbangleichungen.jpg

142_Text_Teil1_338x190.jpg

143_Text_Teil2_338x190.jpg

 

 

 

 

 

30. Dezember 2014 - 18:03

Alle Beiträge zum Thema Stillife und Objektfotografie