Quo Vadis, Fotografie? Warum ich trotz Krise an die „junge Kunst“ glaube
Ein Kommentar von Marc Ludwig
Wenn ich mir die aktuellen Branchenzahlen anschaue, könnte man fast depressiv werden. Die Kameraabsatzzahlen sinken seit Jahren, traditionsreiche Foto-Events verschwinden von der Bildfläche und die Photokina ist nur noch eine ferne Erinnerung. Oft werde ich gefragt: „Marc, hat die Fotografie, wie wir sie bei FotoTV.de feiern, überhaupt noch eine Zukunft?“
Meine Antwort ist ein klares Ja – aber sie sieht radikal anders aus, als viele denken.
Der Kampf gegen die „perfekte“ Belanglosigkeit
Wir müssen ehrlich sein: Die klassische, rein abbildende Fotografie wird gerade von zwei Seiten in die Zange genommen. Einerseits durch Smartphones, die jedem Laien technisch saubere Bilder ermöglichen, und andererseits durch die Künstliche Intelligenz. Wenn eine KI auf Knopfdruck ein „perfektes“ Porträt generiert, verliert das technisch makellose digitale Foto seinen Wert als Alleinstellungsmerkmal.
Aber genau hier beobachte ich eine faszinierende Gegenbewegung bei den „jungen Leuten“, den Studenten und aufstrebenden Künstlern. Sie versuchen gar nicht erst, die KI in Sachen Perfektion zu schlagen. Sie gehen dorthin, wo der Algorithmus nicht folgen kann.

Zurück zur Chemie: Die neue Sehnsucht nach dem Echten
Ich sehe immer mehr junge Fotografen, die ihre hochmodernen DSLMs zur Seite legen und zur analogen Mittelformatkamera greifen. Warum? Weil sie das Analoge als Schutzraum wiederentdecken – und weil sie sich bewusst mit schwarz weiß Fotografie beschäftigen.
In der Dunkelkammer entsteht etwas, das eine KI niemals replizieren kann: eine physische Verbindung zum Moment. Ein analoger Abzug ist ein Beweis für die Anwesenheit des Künstlers. Diese bewusste Entschleunigung und die Akzeptanz von Körnigkeit und chemischen Zufällen ist eine Rebellion gegen die glatte KI-Ästhetik. Wer heute als junger Mensch ernsthaft wahrgenommen werden will, nutzt die handwerkliche Schwarz-Weiß-Ästhetik oft als Statement für das Authentische.

Wenn der Fotograf zum Maler wird
Die zweite Entwicklung, die mich umtreibt, ist noch radikaler. Viele ambitionierte Talente lassen das klassische „Handwerk Foto“ hinter sich und bewegen sich in Richtung der Konzeptkunst.
Sie begreifen das Foto nicht mehr als Endergebnis, sondern nur noch als Rohmaterial. Sie kratzen an Negativen, übermalen ihre Drucke oder kombinieren Fotografie mit installativen Elementen. Sie werden im Grunde zu Malern zeitgenössischer Kunst, die Licht und Chemie statt Öl und Leinwand nutzen.
Wer sich für diese Strömung interessiert oder gezielt Arbeiten entdecken will, findet spannende Positionen dort, wo man modern Art online kaufen kann – und damit direkt Zugang zu zeitgenössischen Konzeptansätzen bekommt.

Mein Fazit: Die Kamera ist tot, es lebe das Bild
Ja, die Fotoindustrie, wie wir sie kannten, schrumpft. Aber die Fotografie als Kunstform steht vor einer ihrer spannendsten Epochen. Der Nachwuchs zeigt uns: Um gegen die KI zu bestehen, müssen wir entweder physischer (analog/SW) oder geistiger (konzeptionell) werden.
Wir bei FotoTV.de werden diesen Weg begleiten. Denn am Ende geht es nicht um die Verkaufszahlen von Gehäusen, sondern um die Kraft der Vision, die durch sie hindurchblickt.
