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Wie ich meine Katzen fotografiere

Ich werde immer wieder gefragt, wie ich meine Katzen fotografiere und will das Thema mal mit einem Blogpost besprechen. Viel Spaß damit:

Vor 10 Jahren gab es eine der größten Veränderungen in meinem Leben – FotoTV. wurde geboren. Und vor ziemlich genau 6 Jahren kam die zweite große Veränderung: Katzen.

Tierfotografie - Katzen

Wie ich zu Katzen kam (nicht fotorelevant aber lustig)

Ich hatte mal als Kind eine Katze, die uns immer besuchen kam, ohne dass sie uns gehörte. Seitdem gab es den latenten Wunsch, eine eigene zu haben. Durch einen Umzug fand ich mich dann in einer Wohnung, wo Katzen erlaubt waren und die eine schöne Terrasse hatte. Also fing ich an, mich zu informieren: Eine Katze sollte es sein, aber alle, mit denen ich redete, rieten mir mindestens zu zwei (sie hatten übrigens Recht!). Also gut, zwei.

Nummer eins, Jimmy, kam und ein paar Wochen später Nummer zwei. Jinx bekam ich von einer Züchterin im Alter von 3 Monaten mit der Empfehlung, sie noch ein wenig wachsen zu lassen, bevor sie kastriert werden sollte. Mit 6 bis 9 Monaten würde sie geschlechtsreif und dann sollte ich das machen. Ich als Katzenlaie fand das plausibel.

Nur kam dann der klassische Moment, als ich mit ihr gut einen Monat später beim Tierarzt war und der mir eröffnete, dass ‚wir’ schwanger seien! Eine Teenagerschwangerschaft, wenn man so will ... Tja und nochmal 3 Monate später wurde aus mir Katzenvater von 7 Tieren, da Jinx mir 5 putzgesunde Babies bescherte. Wir haben sie zusammen auf dem Sofa zur Welt gebracht – das prägt :-)

Um meine weitere Geschichte abzukürzen: 4 der 5 Babies fanden tolle neue Katzeneltern, eins behielt ich, für eins bekam ich im Gegenzug 'Paulchen' und im letzten Sommer kam noch ein kleiner Nachzügler - Cookie - als Geschenk an meine Freundin dazu. Damit sind es jetzt 5 - also keine zu viel :-)

Katzen fotografieren

Ich habe mich im Internet mal umgeschaut und es gibt eine ganze Reihe von Seiten mit Tierfototipps. Meist beziehen diese sich aber auf Tiere im Allgemeinen, wie zum Beispiel auf dieser Webseite.. Sicherlich ist es von Vorteil, die Tiere auf Augenhöhe abzulichten und eine Menge Geduld aufzubringen. Doch die eigenwilligen Stubentiger haben ganz besondere Charakteristika, die es sich näher zu betrachten lohnt. Ich möchte hier etwas ausführlicher werden und mich konkret auf Katzen beziehen.

Mit der intensiven Beschäftigung mit meinen Katzen kam auch der Wunsch, das ganze fotografisch festzuhalten. Die Natur hat es mit Fotografen gut gemeint – Katzenbabies sind die ersten Wochen nach der Geburt sehr ruhig, da ihre Augen noch nicht geöffnet sind und so kann man sie in aller Ruhe fotografieren. Hier mal ein Bild, das aus dieser Zeit stammt.

Katzen fotografieren

Maßstab

Das Besondere bei ganz jungen Katzen ist, dass sie sehr klein sind. Wenn man sie ganz alleine fotografiert, fehlt allerdings ein Maßstab, der dies dem Betrachter zeigt.

Daher wäre ein Tipp, immer etwas mit im Bild zu haben, was die Größenverhältnisse zeigt. Im obigen Bild ist das die Pfote der Mutter, die direkt neben der winzigen Pfote des Babies liegt.

Weitere Bilder, die in dieser Zeit naheliegen sind die ‚Milchbar’-Bilder, wenn alle Babies sich an der Mutter aufreihen, um zu säugen.

Katzen ‚fernsteuern’

Hat man sich als Fotograf in dieser Zeit, in der alle noch schön ruhig sind quasi ‚aufgewärmt’, dann führt einen die Natur in den nächsten Wochen aufs nächste fotografische Anspruchslevel, denn plötzlich beginnen die kleinen Racker wild durcheinanderzuwirbeln.

Ständig ist was los und die Tiere sind dauernd in Bewegung. Aber auch zu dieser Zeit hat die Natur für uns Fotografen gesorgt: Die Tierchen sind unendlich neugierig. Ein kleines Klappern an der Kamera oder ein Katzenwedel sind wie Fernbedienungen, mit denen man die Blickrichtung der Tiere magisch kontrollieren kann.

Unschärfe im Hintergrund

Was ich auch noch generell empfehlen kann sind Objektive mit großer Blendenöffnung. Ich habe fast ausschließlich mit einem 45mm 1.8 Objektiv von Olympus fotografiert. Nicht nur ist dies für seinen Preis qualitativ super gut, es sorgt auch bei offener Blende für einen sehr geringen Schärfebereich wie das folgende Foto zeigt:

Tierfotografie

Der Vorteil ist, dass das Tier in der Schärfe liegt und die Umgebung unscharf ist, was den Blick noch stärker auf das Motiv lenkt. Das ist ein unschätzbarer Vorteil, besonders in der Tierfotografie.

Warum? Weil ich meine Models kaum dahingehend steuern kann, wo ich sie fotografieren möchte. Katzen sind da halt sehr viel eigenwilliger als Hunde!

Hier ein gutes Beispiel: Der tolle blaue Hintergrund in diesem Bild ist eigentlich eine Plastiktischdecke, mit der man einen kleinen Laufstall auslegt, bis die kleinen Tiger stubenrein sind. Eigentlich super hässlich, aber durch die Unschärfe erkennt man das nicht mehr und es entsteht ein tolles Bild.

Katzenfotografie

Kontraste

Übrigens kann man noch einen weiteren Tipp von diesem Bild ableiten: Fotos werden eigentlich immer durch Kontraste sehr interessant. Im obigen Foto haben wir davon gleich zwei: Zum einen den Kontrast zwischen scharf und unscharf. Dieser hebt den scharfen Teil besonders hervor. Das leistet das besagte Objektiv durch seinen geringen Schärfebereich.

Der zweite Kontrast ist ein sogenannter Farb-Komplementärkonstrast: Gelb(-braun) und Blau ist vielleicht derjenige, der uns bei Tieren mit ihrem oft bräunlichen Fell am ehesten begegnet. Weitere Kontraste sind Schwarz/Weiß und hell/dunkel. Nicht zu vergessen: Der Kontrast zwischen Groß und Klein, der uns ja weiter oben schon begegnet ist.

Vignette

Ein Tipp, der wiederum mit den Kontrasten, nämlich dem Hell/Dunkel Kontrast zu tun hat ist die Verwendung von Vignetten. Eine Vignette ist die Abschattung des Bildes zum Rand hin.

Eigentilich ist dies ein Bildfehler schlechter Objektive. Aber: Letztlich erzeugt eine Vignette einen Schatten am Rand. Befindet sich das Motiv mehr oder weniger in der Mitte des Bildes, dann wird es von diesem Schatten nicht erreicht und ist damit heller. Der Schatten lenkt das Auge auf die hellen Bildteile und damit auf unser Motiv,  das dadurch intensiver wirkt!

Vignetten kann man mit jedem Bildbearbeitungsprogamm auch nachträglich noch über ein Bild legen. Probiert es mal aus, denn sie sind ein sehr wirkungsvolles Mittel zur Akzentuierung unseres Motivs – natürlich auch außerhalb der Tier- und Katzenfotografie!

Vignette

Motivpositionierung

Fotos müssen ‚interessant’ sein, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu gewinnen. Interessant ist oft das, was ungewöhnlich ist.

Es ist daher recht einfach, ein interessantes Bild zu machen, wenn man etwas daran ungewöhnlich gestaltet.

Das bringt mich zur Positionierung des Motivs: Das menschliche Auge ist immer darauf bedacht, das, was man sich gerade ansieht, in der Mitte des Blickfeldes zu halten. Wir drehen die Kopf und wenn das nicht geht, die Augen so, dass wir das Motiv in der Mitte unseres Blickfelds haben. Das ist die gewöhnliche Art zu sehen.

Als Fotograf haben wir ja ein zweites Blickfeld in Form des Bildes und seines Randes. Positionieren wir unser Motiv in der Mitte unseres Bildes, dann ist das gewöhnlich und wird als eher ruhig, wenn nicht sogar langweilig, wahrgenommen. Positionieren wir aber das, was wir fotografieren, außerhalb der Mitte des Bildes, dann entsteht ein Foto, das unseren Sehgewohnheiten widerspricht und so interessant wird.

Hier ein Beispiel:

Motivpositionierung

Bildformat

Ein weiteres Mittel, das mit der Motivpositionierung verwandt ist, ist das Bildformat. Bei Fotos sind wir an das 3:2 oder 4:3 Format gewohnt, weil die meisten Kameras dies in der Standardeinstellung liefern und weil dementsprechend die meisten Abzüge auch in diesen Formaten gemacht werden.

Aber wer zwingt uns, diese Formate zu verwenden? Mit ungewöhnlichen Bildformaten können wir unsere Bilder aus der Masse herausstechen lassen.

Hier ein Beispiel:

Panaramaaufnahme

Das Panoramaformat dieser Aufnahme macht meiner Meinung nach das Bild interessant und unterstreicht das Nebeneinander der Kätzchen.

Ein tolles Bildformat ist übrigens auch das Quadrat. Eigentlich ist das Quadrat ein recht gleichförmiges und nicht so spektakuläres Format. Es vermittelt Ruhe und passt daher hier zu dem ruhenden Kätzchen, das den Betrachter ganz unvermittelt ansieht.

Quadratisches Bildformat

Kamerastandpunkt

Kommen wir nochmal auf den Gedanken zurück, dass ungewöhnliche Bilder Aufmerksamkeit erzeugen: Katzen sehen wir meistens aus der menschlichen Perspektive, d.h. von oben nach unten blickend. Oder auch von unten nach oben, wenn sie uns vom Schrank herunter anschauen. Diese beiden Perspektiven sind daher nicht so interessant – wir kennen sie schon zu Genüge.

Begibt man sich aber auf Augenhöhe der Tiere, dann entstehen bessere Bilder. Achtet mal bei den oben gezeigten Bildern auf meinen Kamerastandpunkt, der meist auf Augenhöhe ist. Dafür sind übrigens Kameras mit einem ausklappbaren Schwenkdisplay gut geeignet, mit denen man auf Bodenhöhe fotografieren kann, ohne auf dem Bauch auf dem Teppich liegen zu müssen.

Ganz auf die Spitze getrieben hat es ein Fotograf, der Katzen durch eine Glasscheibe von unten fotografiert hat. Vielleicht ist Euch das Bild mal bei Facebook begegnet, ansonsten findet Ihr es unter diesem Link. 

"Posen"

Katzen sind ja immer für eine Überraschung gut und haben so ihre eigenen "Posen". Wer kennt nicht den sogenannte ‚Katzenbuckel’, oder ihre schon an Yoga grenzenden Liegepositionen.

Manche dieser Posen sind einfach zu fotografieren. Spannend sind Momente, die nur kurz währen. Wer sein Tier kennt, ist im Vorteil, weiß er/sie doch, wann ungefähr damit zu rechnen ist. Hier ein Bild von meinem Kater Paule, den ich genau in dem Moment erwischen konnte, als er gähnte. Daneben ein Bild von Caruso, bei dem mir ein ähnliches Bild gelungen ist.

Katzen fotografierenKatzen fotografieren

Details

Und nochmal zurück zu ungewöhnlichen Bildern: Wir halten ja meist so einen Abstand zu unseren Tieren, dass wir sie komplett sehen können, was umso normaler ist, je kleiner das Tier ist. Mit geeigneten Objektiven oder durch Wahl eines entsprechenden Ausschnittes können wir jedoch den Blick auf Details lenken und Dinge, die sonst fast zu klein zum Sehen sind, herausarbeiten. Geht z.B. mal nah an die Nase Eures Stubentigers oder an eine Pfote heran und zeigt die Plüschigkeit des Fells. Es entstehen garantiert interessante Bilder!

Licht und Schatten

Wenn ich so durch meine Bilder gehe, dann sind auch einige dabei, die durch besondere Schattenwürfe wirken. Katzen sitzen gerne in der Sonne, die speziell im Winter meist sehr tief steht und dadurch beim Einfall in Wohnräume auch interessante Schatten mit sich bringt. Hier ist es schwer einen anderen Tipp zu geben, als einfach immer die Augen aufzuhalten, ob nicht ein Schattenwurf zusammen mit dem Tier eine interessante Konstellation ergibt!

Schattenwurf

Mensch und Tier

Wir lieben unsere Tiere dafür, dass sie mit uns interagieren! Ich kenne kaum Aquariumsbesitzer, die eine persönliche Beziehung zu ihren Fischen haben, bei Katzen- und Hundebesitzern ist das jedoch ganz anders. Warum sie dann immer nur alleine zeigen? Bilder wie die folgenden zeigt doch, wie eng wir mit unseren felligen Freunden verbunden sind und erinnern uns an diese Beziehung.

Mensch und Katze

Bildbearbeitung

Seien wir ehrlich: Kaum ein Bild, das Ihr in einem Buch oder in einer Zeitschrift seht, ist unbearbeitet. Ich will hier gar nicht von Bildmanipulation sprechen, aber denkt nur mal an die Möglichkeit, die Farbbilder Eurer Digitalkamera in Schwarz-Weiß zu konvertieren. Hier ein Beispiel, das zeigt, was für völlig unterschiedliche Bilder dadurch entstehen können.

Bildbearbeitung

Schwarz-Weiß Konvertierung

Weitere typische kleine Anpassungen von Fotos umfassen Kontrast, Bildausschnitt, Sättigung, Weißabgleich und Klarheit. Hier möchte ich nicht weiter darauf eingehen, aber FotoTV. hat jede Menge Beiträge, mit denen Ihr Bildbearbeitung lernen könnt. Einige davon listen wir Euch unten.

Zu guter Letzt: Viel hilft viel

Was man den hier gezeigten Bildern nicht ansieht: Dies sind einige wenige von vielen hundert Bildern, die über die Jahre entstanden sind. Es gibt unendlich viele Fotos, die im besten Fall langweilig waren oder im schlechtesten völlig daneben. Wichtig ist einfach, dass man seine Kamera in Griffweite hat, damit man, wenn es etwas zu fotografieren gibt, auch schnell abdrücken kann. Das kann dann auch mal ein Handy sein, wenn nichts anderes da ist. Auf der anderen Seite hab ich die Erfahrung gemacht, dass sich, wenn ich die Kamera zur Hand nehme und anfange, nach Motiven zu suchen, diese auch einstellen. Ist man selbst auf der Suche, dann sieht man mehr, als wenn man auf zufällige Foto-Gelegenheiten setzt.

Tolle Katzenfotos, bei denen ihr euch einige Bildideen abgucken könnt, findet ihr übrigens unter diesem Link: www.kio-fotos.de.

Und hier gibt es noch eine weitere Inspirationsquelle für Tierfotos. Elke fotografiert Hunde, Pferde und Katzen und ihr dürft euch demnächst auf einige FotoTV. Filme mit ihr freuen: elkevogelsang.com.

Wenn Ihr mehr zum Thema Tiere fotografieren lernen wollt, dann gibt es bei uns bei FotoTV. eine Reihe von Filmen und Blogposts mit Tipps und Tricks zur Tierfotografie. Schaut doch mal rein:

Hunde in Bewegung fotografieren

Heike Herden Hundefotografie

Video mit Heike Herden Hundefotografin

ruth-marcus-tierfotografie-naturfotografie-hunde

ruth-marcus-tierfotografie-naturfotografie

Blogbeitrag zum Thema "Füchse fotografieren"

 
19. April 2017 - 11:32

Alle Beiträge zum Thema Tierfotografie