Plakate drucken lassen
Plakate drucken lassen: Formate, Papier und Auflagen im Überblick
Liebe FotoTV.-Freunde,
gerade haben wir unsere Serie zum Fineartdruck gestartet. Dort geht es ums Selbermachen: eigenes Papier, eigenes Profil, eigener Rhythmus, bis der Druck genau so aussieht, wie ihr euch das Bild vorgestellt habt. Beim Sichten des Materials ist mir aufgefallen, dass wir eine zweite großformatige Präsentationsform fast immer übersehen. Sie hängt nicht im Wohnzimmer, sondern draußen, und sie erreicht Menschen, die eure Arbeit sonst nie zu Gesicht bekämen: das Plakat.
Das Präsentieren von Fotos liegt mir seit Jahren am Herzen, und nicht nur mir: Bei FotoTV. kommen wir immer wieder darauf zurück, und in meinem Buch F8 hat das Thema ein eigenes Kapitel bekommen. Der Grund ist einfach. Ein Foto, das niemand sieht, ist eine Datei. Erst wenn es aus dem Ordner heraustritt und jemandem gegenübersteht, fängt es an zu wirken. Und die Form dieses Auftritts entscheidet mit darüber, wie stark diese Wirkung ausfällt.
Große Formate haben dabei einen eigenen Reiz, den man schwer beschreiben und leicht erleben kann. Wer sein eigenes Bild zum ersten Mal in A1 vor sich hat, statt es auf dem Laptop zu beurteilen, sieht es fast wie ein fremdes Bild. Details, die auf dem Monitor untergegangen sind, treten hervor, die Bildaufteilung wird spürbar statt nur sichtbar. Und die Schwächen übrigens auch, was ein unterschätzter Vorteil ist. Das Format verändert nicht das Foto, aber es verändert, wie ihr und wie andere ihm begegnen.
Ein Poster ist dabei kein Ersatz für den Fineartprint, es ist etwas anderes. Der Fineartprint ist das Objekt, das jemand kauft und behält. Das Plakat geht hinaus und holt die Leute ab. Es hängt drei Wochen an einer Litfaßsäule, danach ist es weg. Genau diese Beiläufigkeit macht es brauchbar für Ausstellungsankündigungen und Fotoprojekte.
Ich hoffe, ich habe euch Lust auf diese Präsentationsform gemacht. Wenn ihr das jetzt einmal ausprobieren wollt, hier noch einige technische Hinweise. Am Ende hängt alles an drei Entscheidungen, nämlich Format, Papier und Auflage, und an sauberen Druckdaten.

Die drei Formate, die praktisch alles abdecken
Bei Plakaten hat sich die DIN-A-Reihe durchgesetzt, und ihr braucht daraus genau drei Größen:
DIN A3, 297 x 420 mm. Ungefähr zwei nebeneinandergelegte A4-Blätter. A3 ist das Format für Innenräume und Situationen, in denen jemand nah davorsteht: Schaukästen, Pinnwände im Café, der Büchertisch bei eurer Vernissage.
DIN A2, 420 x 594 mm. Der Allrounder. Groß genug, dass ein Motiv aus einigen Metern Entfernung trägt, klein genug, dass ihr es an vielen Stellen unterbringt. Müsste ich mich auf ein Format festlegen, wäre es dieses. A2 funktioniert im Schaufenster, im Foyer und als Infotafel neben dem Eingang.
DIN A1, 594 x 841 mm. Die Plakatgröße im klassischen Sinn, das Format, das im Stadtbild sichtbar wird: Litfaßsäule, Bauzaunraster, große Stellwand. Für Fotografie ist A1 reizvoll, weil ein einzelnes Motiv hier endlich Fläche bekommt.
Alle drei gibt es im Hoch- und im Querformat. Das klingt banal, wird aber gern zu spät entschieden. Überlegt es euch vor dem Layout, denn ein Portrait im Hochformat und dasselbe Bild im Querformat sind zwei Gestaltungsaufgaben.

Infografik: Größenvergleich DIN A3, DIN A2 und DIN A1
Affichenpapier: warum die Rückseite blau ist
Für den Innenbereich reicht ein gestrichenes Plakatpapier. Draußen, dort wo mit Kleister geklebt wird, kommt Affichenpapier ins Spiel, auch Blaurückenpapier oder Blueback genannt. Der Name verrät alles: Die Rückseite ist blau oder graublau eingefärbt.
Der Grund ist optischer Natur und für uns Fotografen besonders relevant. Plakatflächen sind selten leer, auf ihnen kleben Reste alter Plakate, dunkle Schriftzüge, Farbflächen. Wird ein Plakat mit Kleister satt durchfeuchtet, wird das Papier durchscheinend und der alte Untergrund schimmert durch. Bei einem Textplakat ist das ärgerlich, bei einem Foto ruiniert es die Tonwerte, und zwar genau dort, wo es wehtut: in den hellen Flächen, im Himmel, in der Haut. Die eingefärbte Rückseite unterbindet das, euer Motiv steht auf dem Untergrund statt sich mit ihm zu vermischen. Das Typolexikon beschreibt genau diese Funktion als Kernmerkmal des Papiers.
Drinnen braucht ihr das nicht, für alles was geklebt wird schon. Anbieter wie Infowerk führen Affichenpapier deshalb ausdrücklich als Option für Plakate in den genannten DIN-Formaten.
Auflagen von 1 bis 250: kleiner denken lohnt sich
Der zweite Punkt, an dem viele Fotoprojekte hängen bleiben, ist die Stückzahl. In den Köpfen sitzt noch die Offsetlogik, nach der sich Drucken erst ab ein paar hundert Exemplaren lohnt. Im Digitaldruck gilt das nicht mehr: Auflagen ab einem Stück sind möglich.
Ein sinnvolles Vorgehen:
1 bis 5 Stück. Der Probelauf. Ein einzelnes A2 für die eigene Wand, um zu sehen, ob Schärfe, Kontrast und Typografie im realen Format tragen. Ein Andruck sagt mehr als zwei Stunden Softproof.
10 bis 50 Stück. Die übliche Größenordnung für eine Ausstellung oder ein lokales Projekt: die Kulturorte eures Viertels, befreundete Läden, die Hochschule.
Bis 250 Stück. Für Veranstaltungen mit größerem Einzugsgebiet oder wenn ihr mit einem Plakatierdienstleister arbeitet, der feste Flächenkontingente bespielt.
Mein Rat: Rechnet die Standorte konkret durch, statt eine runde Zahl zu schätzen. Zwölf Orte heißen zwölf Plakate plus etwas Reserve, nicht fünfzig.
Praktisch ist es, wenn Gestaltung und Druckabwicklung zusammenlaufen. Eine Online-Designplattform mit eigener Druckabwicklung nimmt euch Arbeit ab, wenn ihr kein Layoutprogramm im Haus habt, aber saubere Druckdaten braucht.

Druckdaten: die fünf Punkte, an denen es scheitert
Verbindlich ist immer das Datenblatt eurer Druckerei, aber diese fünf Grundlagen gelten überall.
Beschnitt. Soll euer Motiv randlos bis an die Kante laufen, muss es über das Endformat hinausgehen, damit beim Schneiden keine weißen Blitzer entstehen. Üblich sind wenige Millimeter umlaufend, häufig drei.
Sicherheitsabstand. Umgekehrt gehört alles, was nicht abgeschnitten werden darf, mit Abstand nach innen: Titel, Datum, Ort, Logos. Je größer das Format, desto großzügiger dieser Abstand.
CMYK statt RGB. Eure Dateien kommen aus einem RGB-Arbeitsfarbraum, gedruckt wird in CMYK. Wandelt ihr nicht selbst um, macht es der Workflow der Druckerei, ohne euch zu fragen. Betroffen sind vor allem leuchtende Blau- und Grüntöne. Wer das kontrollieren will, konvertiert vorher mit dem passenden Profil, etwa einem der kostenlosen Standardprofile der European Color Initiative.
Auflösung. Die 300-ppi-Regel stammt aus dem Magazindruck und einer Betrachtungsdistanz von dreißig Zentimetern. Ein Plakat schaut man aus zwei, fünf oder zwanzig Metern an, die Anforderungen liegen für Großformate deshalb niedriger, oft zwischen 150 und 300 ppi. Entscheidend ist der Bezug aufs Endformat: 300 ppi auf A4 sind auf A1 nur noch ein Bruchteil davon.
PDF, besser PDF/X. Liefert ein PDF, kein JPEG und keine offene Layoutdatei. PDF/X ist eine in ISO 15930 genormte Formatfamilie für die Druckvorstufe: Schriften eingebettet, Farbraum definiert, Transparenzen geklärt. Welche Variante gewünscht ist, sagt euch eure Druckerei.
Plakatieren ist genehmigungspflichtig
Plakate im öffentlichen Raum aufzuhängen, ist in Deutschland genehmigungspflichtig. Straßen, Laternenmasten und Plätze sind für den Verkehr gewidmet, wer sie darüber hinaus nutzt, betreibt eine Sondernutzung und braucht eine Erlaubnis.
Zuständig sind die Kommunen, und die Regelungen unterscheiden sich von Ort zu Ort erheblich: zulässige Flächen, Zahl der Plakate, Dauer, Gebühren, Fristen. Manche Städte vergeben feste Kontingente an Kulturveranstalter, andere arbeiten nur mit beauftragten Dienstleistern. Wildes Plakatieren wird als Ordnungswidrigkeit verfolgt, die Stadt Köln weist ausdrücklich darauf hin.
Der Aufwand ist kleiner, als er klingt: Ein Anruf beim Ordnungsamt oder der Blick auf die Sondernutzungsseite eurer Stadt klärt die Lage meist in einer Viertelstunde. Macht das, bevor ihr druckt, denn die Vorgaben können das Format bestimmen.

Fangt klein an
Nehmt euer stärkstes Motiv, setzt Titel, Ort und Datum darunter und lasst genau ein A2 drucken. Hängt es an eine Wand und schaut es euch eine Woche lang jeden Tag an. Ihr werdet sehen, was trägt und was nicht.
Ich bin gespannt, was ihr daraus macht. Schickt uns eure Plakate, wir zeigen die schönsten gern in der Community.
Euer Marc
Quellen und weiterführende Informationen
Typolexikon: Affichenpapier / Blaurückenpapier
Bundesportal: Genehmigung zum Plakatieren
PDF Association: ISO 15930 (PDF/X)
European Color Initiative: ICC-Profile und Farbstandards
