You are here

Experiment „Instagram auf der Straße“

Streetfotografie mit Instagram

Nach 5 Jahren sehr intensiver Street Fotografie mit viel Reisetätigkeit kam ich an einen Punkt, an dem es mir langweilig wurde, ich keine neuen Motive mehr fand bzw. sich diese wiederholten. Dieser Zustand ist sicher einigen von euch Kreativen bekannt, wenn man lange genug das Gleiche gemacht hat und sich dieses erschöpft hat. Dann muss eine Veränderung herbeigeführt werden, um sich neu zu erfinden. Da ich aber keine Lust hatte, mich einem anderen Genre der Fotografie zu widmen, habe ich beschlossen, einfach nur die Aufnahmetechnik zu verändern.

Also entschied ich mich dazu, während 50 Tagen nur noch mit dem Handy zu fotografieren.

Streetphotography mit Instagram

Ich denke, jeder kennt Instagram bzw. hat schon mal davon gehört. Instagram ist eine Mischung aus Microblog und audiovisueller Plattform und ermöglicht es, Fotos auch in anderen sozialen Netzwerken zu verbreiten.

Das Bildformat ist quadratisch und man kann die mit dem Handy gemachten Fotos mit Filtern direkt in der App bearbeiten.

Instagram ist also ein komplett im Handy ablaufender Prozess. Von der Aufnahme über die Bearbeitung bis zur Publikation verlässt das Bild das Handy nicht. Für viele Fotografen ist dieses Vorgehen bei ihrer Haupttätigkeit wohl eher fremd. Es geht hier nicht um Ferienfotos oder Selfies, sondern um die Bilder, welche ich vorher mit einer richtigen Kamera gemacht habe.

Handyfotografie - Bearbeitung in der App

Viele denken nun wohl, dass man mit dem Handy keine anständigen Fotos machen kann. Die Frage stellt sich, was ein anständiges Foto ist. Ist es ein Foto, welches so viele Pixel hat, dass man es 5 mal 5 Meter ausdrucken kann? Ist es ein Foto, welches den Betrachter für längere Zeit in seinen Bann zieht? Oder ist es ein Foto, welches nach den herkömmlichen Methoden der Fotografie erstellt wurde?

Ich war nie ein Fan von Normen und Traditionen. Für mich muss es einfach passen und das Experiment “Instagram auf der Straße” gefiel mir auf Anhieb. Also stellte ich mich der Herausforderung Instagram und legte meine Kamera zur Seite. Das Interessante ist, dass ich meine Kamera gar nie vermisst habe und ich grossen Spaß an der Handy Fotografie bekam.

Handyfotografie Instagram

Jeder hat ein Mobiltelefon und jeder kann die Instagram App kostenlos runterladen und installieren. Also können wir sofort damit beginnen, weil wir das Mobiltelefon ja immer dabei haben. Ich kann nun also zu jeder Zeit ein Bild machen, wo immer ich bin. Vorher nahm ich meine spiegellose Kamera nur sehr gezielt mit, auch wenn diese nicht sehr groß und schwer ist. Nun stelle ich fest, dass ich viel mehr Motive festhalte, weil ich die Kamera immer in der Tasche habe. Ich mache im Alltag viel mehr Bilder, auch zwischendurch mal, wo ich sonst einfach vorbeigelaufen bin.

Als Street Fotograf beobachte ich immer sehr viel und sehe die Welt mit anderen Augen. Nun kann ich jeden Moment fotografieren, welchen ich vorher nur virtuell einfangen konnte. So gesehen habe ich nun viele neue Möglichkeiten. Natürlich kann man nicht einfach nur rumknipsen, aber es bieten sich überall und zu jeder Zeit Motive an.

Fotografieren mit dem Handy und Instagram

Zuerst habe ich nur mit der Instagram App fotografiert, bis ich festgestellt habe, dass die Kamera App im Handy viel schneller auslöst. Also fotografiere ich nun mit der Kamera App von Android und übernehme das Bild zur Bearbeitung in Instagram. Wenn Ihr den Ausschnitt in der Kamera App bereits quadratisch einstellen könnt, habt ihr den Vorteil, dass Ihr diesen bereits beim Fotografieren sehen könnt.

Mein Handy kann das nicht und ich muss jeweils auf das richtige Format beschneiden. Es gibt auch viele andere Kamera Apps, die Ihr nutzen könnt (VSCO Cam, Hipstamatic, etc.). Der Kamerawahl sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig finde ich nur, dass das Bild mit dem Handy aufgenommen wurde. Es gibt zu viele Nutzer, welche ihre DSLR Bilder auf Instagram verbreiten. Einfach, weil es für sie eine zusätzliche Social Media Plattform ist.

Mobile Photography

Der Vorteil der Handyfotografie ist, dass man ziemlich ungestört fotografieren kann. Keiner denkt, dass Du ihn mit dem Handy fotografierst, solange Du Dich nicht komisch verhältst oder ihn anstarrst. Tut einfach so, als würdet ihr ein Selfie machen, Musik hören oder eine Textnachricht schreiben. Und wenn ihr jemanden anblitzt, entschuldigt Ihr euch, dass Ihr die falsche Kamera ausgewählt hättet. Das ist jedem schon passiert und das versteht wohl auch jeder. So habt ihr alle Freiheiten, ganz ungestört Menschen auf der Straße zu fotografieren. Je mehr Menschen es hat, umso näher kommt Ihr an sie ran. Nun kann man auch sehr gut die Wartezeiten am Bahnhof oder an anderen Orten im öffentlichen Verkehr überbrücken.

Es gibt zahlreiche Kamera Apps für Handyfotografie

Manch einer denkt bestimmt, dass die Qualität der Handfotografie bei weitem nicht ausreicht, um gute Bilder zu machen. Vielleicht solltet Ihr Eure Erwartungen und Anforderungen einfach mal vergessen und versuchen, an den Inhalt und die Gestaltung zu denken. Ich habe schon Handy Bilder gesehen, die haben mich bei weitem mehr in den Bann gezogen als ein perfekt belichtetes und scharfes Bild aus einer Mittelformatkamera. Denn nicht die Schärfe macht das Bild, sondern der Inhalt und die Gestaltung. Soviel zum Thema gutes Bild. Also kann ich mit dem Handy sehr wohl ein interessantes Bild machen.

Handyfotografie auf der Straße

Nachdem das Bild im Kasten bzw. im Handy ist, geht es gleich an die Bearbeitung. In Instagram gibt es aktuell 23 Farbe- und 2 Schwarzweiß-Filter, mit welchen man ein Foto auf die Schnelle bearbeiten kann. Danach kann man Kontrast, Lichter, Tiefen, Schärfe, Vignette, etc. verändern. Das fertige Bild kann man mit einem Titel versehen und auch gleich bei Instagram publizieren.

Es ist auch möglich, das Bild zeitlich bei Flickr, Twitter, Facebook und Tublr zu teilen. Da ich oft in kurzer Zeit mehrere Bilder mache, lade ich sie nicht gleich hoch. Ich stelle das Handy in den Flugzeug Modus, damit Instagram beim Versuch das Bild hochzuladen scheitern. So bleibt es auf der Liste mit “Upload failed” und ich kann es zum richtigen Zeitpunkt, durch klicken auf wiederholen, publizieren. So habe ich immer eine Auswahl an Bilder zur Verfügung, welche ich laufend publizieren kann.

Instagram bietet viele Filter

Instagram ist eine soziale Plattform, wo ich anderen Nutzern folgen kann und umgekehrt. Wenn Ihr einen Account anlegt, könnt Ihr alle Eure Facebook Freunde durchsuchen lassen, um diejenigen zu finden, die auch Instagram haben. So habt Ihr auf die Schnelle ein paar erste Kontakte. Ich finde es wichtig, sich bei der Nutzung von Instagram eine gewisse Strategie zurechtzulegen.

Natürlich nur dann, wenn man sich auch Gedanken über eine gewisse Anhängerschaft gemacht hat. Möchtet Ihr also mehr Leute erreichen, so macht über einen längeren Zeitraum die gleichen Bilder und folgt Leuten, die die gleichen Bilder machen wir Ihr selber. Nur so schafft Ihr es, eine Fan Base aufzubauen, die Ruch auch langfristig folgt.

Ich habe mich entschlossen, nur Street Fotografie Bilder zu machen, welche Menschen zeigen und in Schwarzweiß sind. Ich verwende immer den gleichen Filter und wende in etwa immer die gleichen Bearbeitungsschritte an. So versuche ich, mir einen eigenen Stil anzueignen, der einen gewissen Wiedererkennungseffekt erzeugt.

Instagram Fotografie

Nun liegt es an Euch, es auch mal zu versuchen. Denkt nicht an die Anzahl Pixel, sondern an die Aussage des Bildes. Vertraut Eurem Auge und nicht der Kamera. Sucht Euch Momente und Szenen aus dem Alltag, aus welchen Ihr etwas Besonderes machen könnt. Die guten Motive findet ihr auf der Straße, egal mit welcher Kamera Ihr sie festhaltet. Die Verwendung des Mobiltelefons hat meine Art der Fotografie und meine Sichtweise nochmals nachhaltig verändert.

Die verwendete Ausrüstung sowie Einstellungen:

  • Samsung Galaxy Grand 2
  • Integrierte Kamera App
  • Instagram
  • Inkwell Filter
  • Kontrast, Schärfe, Vignette, Tiefen, Lichter

Streetfotos mit dem Handy

Viele Filter für die Bearbeitung

Alle hier gezeigten Fotos und Texte unterliegen dem Urheberrecht des Autors.

Übrigens könnt Ihr Fotos, die Ihr mit dem Handy gemacht habt, auch mit der kostenlosen App "Snapseed" bearbeiten, die es inzwischen auch für Android gibt. Marc Ludwig stellt Euch die Software im folgenden Film vor:

Snapseed

Wenn Ihr Euch für Streetfotografie interessiert, könnten auch diese Filme interessant für Euch sein:

Streetfotografie Tutorial

Streetfotografie mit Teleobjektiv

Streetfotografie III: Thema vs. Freestyle

Und ein photokinaTV Interview zur Rolle von Smartphones in der Fotografie gibt es hier zu sehen:

photokinaTV, Hans Hartman im FotoTV. Interview

Einen Beitrag über die Filter-App Snapseed, die ebenfalls ein interessante Bearbeitungsmöglichkeiten für Handyfotos bietet, seht Ihr hier

Snapseed
23. Dezember 2014 - 15:36

Alle Beiträge zum Thema Street-Fotografie