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Norbert Rosing - Ein Mann mit Prinzipien

Ein Plädoyer für das analoge Fotografieren

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Zusammenfassung:

Norbert Rosing, der bekannte Naturfotograf, überzeugt seit über 25 Jahren mit Bildern aus der Polarregion am Hudson Bay. Bekannt geworden ist er durch seine Eisbärfotografie, aber alle Lebewesen der Polarregion gehören zu seinem Repertoire. Ein weiteres seiner Großthemen ist der Yellowstone Nationalpark.

Neuerdings hat er sich dazu aufgemacht, die Natur Deutschlands ebenso einzufangen, wie er es in anderen Teilen der Welt getan hat. Nach einer 13-teiligen Serie im deutschen National Geographic findet diese Arbeit in dem Bildband "Wildes Deutschland" einen ersten, aber bestimmt nicht letzten Höhepunkt, denn auch derzeit lauert Herr Rosing irgendwo in Deutschland auf das richtige Licht, um uns weiterhin mit Bildbänden und analogen Diashows zu versorgen.

Warum er auch in Zukunft analog arbeiten wird, erläutert er in diesem Interview, das wir im Rahmen der Hunsrücker Naturfototage mit ihm führen durften.

Kommentare

Norbert Rosing im ZDF am 17.06.2007 um 10:15

Die Tiersendung 'Wombaz' handelt dieses Mal von Eisbären. Der Moderator meldet sich aus der modernsten Eisbären-Anlage Europas im Zoo Karlsruhe.

'Wombaz' spricht mit Rosing über die Eisbärfotografie.

zweigleisig fahren...

gut nachvollziehbar, dass ein eingespieltes Team (N. Rosing, Leica auf Analog) schwer zu trennen ist. Denke, dass dies aber auch für Digital-Freaks gelten dürfte, die - mit anderen Mitteln - soviel aus ihren Bildern herauskitzeln, dass eine eigene Komponente etwas besonderes aus den Arbeiten machen kann. An Norberts Stelle würde ich möglichst schnell zumindest zweigleisig fahren, um im digitalen Workflow die nötige Zeit zur Spezialisierung zu nutzen.

Klares Statement...

fast alle genannten Argumente sind gut nachvollziebar. Und solange das Ergebnis stimmt - und das ist unbezweifelt - muß man analoge Fotografie nicht aussterben lassen. "Ehrlicher" ist sie auf jeden Fall.

Die analoge Fotografie wird nicht aussterben

Ähnliche Argumente wie die von Herrn Rosing kenne ich z.B. von Musikliebhabern. In der breiten Masse hat die digitale CD die analoge Schallplatte ersetzt, aber im High End Bereich kommt die CD immer noch nicht an die Qualität der Schallplatte heran und wir daher immer noch verwendet. Es wird nur mit Sicherheit in Zukunft schwieriger werden analoge Kameras und Filme zu bekommen, da viele Firmen wie z.B. Canon und Nikon kein Geld mehr in die Weiterentwicklung ihrer analogen Produkte investieren. Und auch die Leica R10 wird (wenn sie denn kommt) wahrscheinlich rein digital sein und die R9 weiter produzieren, wie es Leica auch schon mit der M8 und M7 vorgemacht hat.

**

Versteht mich nicht falsch. Ich habe einen von Rosings Fotobändern und schätze seine Arbeit als Fotograf sehr. Das Ausmaß der Digitalphobie finde ich jedoch peinlich. Besonders das schon zwanghaft anmutende Schlechtreden am Schluss des Videos ("wirken irgendwie tot") ist völlig daneben.

Digitalphobie

Sicher ist Rosing ein genialer Fotograf. Ich besitze die meisten seiner Bücher! Aber die Aussagen dieses Videos sind doch so überflüssig wie ein Kropf. Oder wie eine Canon/Nikon oder Apple/MS Diskussion? Außerdem spricht er damit allen, seinen mittlerweile digital fotografierenden Kollegen die Kompetenz für gute Bilder ab.(incl. Pölking, Brandenburg, Wolfe...!)

Wenn er seine Bilder für $

Wenn er seine Bilder für $ 1,35 für Fotolia verramschen möchte...bitteschön. Aber das Bild, das er hier hinstellt ist maßlos verzeichnet. Wer so einen Aufwand betreibt wird keine Topbilder bei Mikrostockagenturen verschleudern (was er auch mit Sicherheit nicht tun wird), sondern wenn überhaupt Nebenbilder. Darin steckt auch etwas der Dorn des Themas! Es ist heute kein Problem mehr sich mit ner Kamera auf Fotosafari zu begeben und nur die abgelegenen Bereiche der Welt lohnen sich noch für Naturfotografen. Es werden halt immer die Bilder verkauft, die eine Gesellschaft benötigt und die zudem knapper sind als andere. Jeder kann heute für wenige hundert Euro gute Bilder von einem Rapsfeld machen. Von solchen Bildern kann heute keiner mehr ansatzweise leben. Zu den Zeiten der großen Maler wurde für das gleiche Motiv noch vergleichsweise viel bezahlt. Die Gegenfrage ist allerdings: "Soll man allen Knipsern das Fotografieren verbieten, damit Fotografen dickere Ausbeuten haben?"...ich denke nein. Es ist eine Entwicklung der Fotografie und damit wird jeder leben müssen, ob es ihm passt oder nicht. Andere Branchen haben das mehrfach erlebt und auch in der Fotografie hat es sowas immer schon gegeben.
Die Nachfrage ist heute eher nach ausgefallenen Ideen und nach Bereichen in die Amateure nicht so leicht vorstoßen können! Zudem sollte ein Fotograf auch mehr Fähigkeiten im Bezug der Bildvermarktung haben.
Es ist halt wie im Sport. In Randsportarten stehen Rekorde ziemlich lange, aber sobald eine Sportart trendy wird purzeln auch hier die Rekorde.

Abschließend möchte ich anmerken, dass man Korn genauso gut als Element empfinden kann, dass ein Bild "tot" aussehen lässt, denn mit dem Auge nimmt man auch kein Korn bei ausreichendem Licht wahr! Ein kornfreies Bild kann sogar das Gefühl vermitteln in der Szenerie zu stecken, was ein körniges Bild nicht vermag.

Beißt man die Hand, die einen füttert?

Diese Frage, kam mir beim Betrachten dieses Films unweigerlich in den Sinn. Die Antwort hierauf ist wohl eher rhetorischer Natur, insbesondere, wenn man sich die seit geraumer Zeit wirtschaftlich sicher beidseitig vorteilhafte, enge Symbiose zwischen Herrn Rosing und dem von ihm bevorzugten Kamerahersteller vor Augen hält.

Bei allem Respekt vor Herrn Rosing und seinen durchaus beindruckenden Werken, hat es mich dennoch erschrocken, mit welcher absurden, fast schon peinlich fixierten Argumentationskette er im Interview versucht, einer gesunden und der Fotografie förderlichen Entwicklung entgegenzutreten, nur um den dünnen schwankenden Ast der analogen Gewohnheiten weiter zu stützen. Mir ist unbegreiflich, wie sich ein kreativ schaffender Mensch ideologisch derart verrennen kann, nur um sich nicht dem digitalen Fortschritt öffnen zu müssen. Da lobe ich mir doch die Weitsichtt und den Mut eines Herrn Pölking, der früh die enormen Vorteile der Digitaltechnik realisierte und in ihnen eine Befreiung von den vielfältigen Nachteilen der konventionellen, chemischen Fotografie sah.

Mein Verständnis für Herrn Rosings Meinung ist jedoch völlig am Ende, wenn er schließlich auch noch die gesamte digitale Fotowelt als potentielle Manipulatoren ausweist und jegliche Wahrhaftigkeit der von ihr erzeugten Aufnahmen abspricht. Hier wird es nicht nur lächerlich, sondern schlicht schon diskreditierend für alle sich ernsthaft um Authentizität bemühenden Fotografen.

Man kann Herrn Rosing nur wünschen, dass sein seit vielen Jahren am Rande der Existenz dahinsiechender Hoflieferant ihn hoffentlich bald mit zeitgemäßen digitalen Produkten versorgen kann und ihn somit aus seiner letztlich selbstgewählten analogen, manuellfokussierten und unstabilisierten Isolation befreit.

Schade und traurig zugleich, dass Offenheit und Toleranz bei einem Fotografen dieser Güte nicht selbstverständlich sind. Gute Besserung, Herr Rosing und keine Angst, auch Ihre digitalen Fotos hätten mein volles Vertrauen und würden mich nicht vom Kauf ihrer Bücher abhalten.

@wildcat

Hi,

Norbert Rosing hat sicher einen guten Draht zu Leica, lebt aber von seiner Fotografie. Damit ist der 'Arm der ihn füttert' sein Job als Fotograf, nicht Leica als Sponsor.

Ihm also zu unterstellen, er würde diesen Standpunkt wegen eines Sponsors einnehmen ist abwegig, insbesondere, weil Leica viel mehr Interesse daran hat, die neuen digitalen Produkte zu promoten, als die immer weniger wichtigen analogen Geräte.

Warum bleibt Rosing also analog? Weil seine Ergebnisse ihm recht geben. Die einzige Ideologie, die ich bei ihm in vielen Gesprächen feststellen konnte ist die des bestmöglichen Ergebnisses. Seine Bilder spielen in einer solchen Liga, dass es für ihn gar keinen Grund gibt, daran etwas zu ändern. Wo ist da das Problem? Warum Stabilisator, Autofocus, 24 Megapixel und Photoshop wenn man schon optimale Ergebnisse hat?

Die Ideologie, dass das BILD zählt, nicht die Technik finde ich überzeugend. Interessant wird's wirklich, wenn Rosing eines Tages umschwenkt. Dann ist entweder der Moment gekommen, wo es keine Filme mehr gibt, oder der, dass er denkt, digital bessere Ergebnisse erzeugen zu können als analog.

@Marc Ludwig

Hallo Herr Ludwig,

ich denke, jedem Kenner der Szene ist vollkommen klar, dass Herr Rosing einer der wenigen Profifotografen ist, der im hart umkämpften Naturfotobereich gut von den eigenen Aufnahmen leben kann. Dies wünsche ich ihm auch von ganzem Herzen, denn sein Schaffen und seine Ergebnisse haben meinen vollen Respekt.

Allerdings habe ich kein Verständnis dafür, wenn ein Fotograf derart negativ geprägt über das Neue, ihm mangels eigener Erfahrung weitgehend unbekannte, herzieht und die breite Masse der Digitalfotografen als potentielle Bildmanipulierer darstellt. Solche fast schon dogmatisch geprägten Äusserungen, die seinen Fotostil als das einzig Wahre akzeptieren, halte ich schlicht für verblended und extrem kurzatmig.

Weiterhin empfinde ich gerade Herrn Rosings Haltung eben nicht Bild orientiert, sondern vielmehr Technik fixiert. Denn die Qualität eines Bildes kann man sicher nicht anhand einer perfekten Schärfe oder irgendwelcher nebulösen subjektiven Farbempfindungen definieren. Einzig und allein das Motiv und wie es vom Fotografen umgesetzt wurde, macht die Qualität eines Bildes aus und sicher nicht die Frage, ob nun ein Canon, Nikon oder Leica-Objektiv das Licht auf den Träger bannt. Diese Frage halte ich für völlig nebensächlich. Betrachtet man z.B. die teils überragenden Aufnahmen von einem Brandenburg, Lanting oder auch eines Vincent Munier merkt man schnell, worauf es eigentlich ankommt in der Fotografie und diese unzweifelhaft auch qualitätsorientierten Naturfotografen bedienen sich m.W. ganz anderer Mittel als Herr Rosing und verkaufen ihre Produkte trotzdem mit sehr großem, wenn nicht noch größerem Erfolg.

Sehen Sie sich doch heute z.B. einmal eine Diashow von Herrn Rosing an. Ja die Bilder sind schön scharf, weil ein Projektor nunmal die Inhalte eines Dias systembedingt ungefiltert auf die Leinwand wirft. Aber wie bei allen Diashows sieht man auch hier massenhaft Staub und Fusel auf den Dias, Feuchtigkeit hinter den Glasrahmen zieht erst langsam weg, zu schwache Projektoren lassen die Bilder zu dunkel erscheinen, man hört klappernde Projektoren im Hintergrund und benötigt Leute, die umständlich Diakästen wechseln und gelegentlich auch die falschen Kästen einschieben. Wenn ich dagegen digitale Beamerpräsentationen erlebe, die mit hochwertigen Beamern erfolgen, mögen Schärfe und Farben noch nicht ganz perfekt sein, aber eine solche Show läuft bei weitem ruhiger, harmonischer und ohne störende Fusel oder Bildbeläge ab. Und die Entwicklung der Beamer schreitet mit großen Schritten voran und wird absehbar auch die vollen Inhalte eines digitalen Bildes wiedergeben können und nicht nur einen Bruchteil davon, der aber schon heute zu einer bemerkenswerten Qualität führt.

Nehmen Sie ein gutes Naturfotobuch aus neuerer Produktion (z.B. das letzte Pölking-Buch). Oftmals findet man in diesen Werken analoge Bilder gemeinsam mit digital basierten Fotos. Die Drucke der Digitalfotos wirken in der Regel viel schärfer und authentischer, als die filmkorndurchsetzten analog erzeugten Aufnahmen. Hier zu behaupten, digitale Bilder würden sich beim Druck quasi auflösen, ist blanker Unsinn. Wenn sich Bilder im Druck auflösen, liegt dies einzig an der unzureichenden Datenbasis, aber sicher nicht am digitalen System als solches.

Diese beispielhafte Aufzählung nur einiger Vorteile der Digitalfotografie ließe sich bequem erweitern. Sicher es gibt auch diverse Nachteile, aber die hat jedes System und ganz sicher sind diese in großer Zahl gerade bei der analogen Fotografie zu finden. Der Vorteil der digitalen Welt ist in meinen Augen jedoch, hier gibt es noch Fortschritt und Entwicklung und heutige Nachteile werden zunehmend geringer. Die analoge Welt mit ihren Einschränkungen ist dagegen am Ende ihrer Tage angelangt, hier herrscht Stillstand und ganz sicher keine Wahrhaftigkeit, die Herr Rosing leider gebetsmühlenartig so gerne beschwört.

Übrigens habe ich selbst viele Jahre auf Diamaterial fotografiert und mir dabei nie vorstellen können jemals etwas anderes zu nutzen. Nach der testweisen Anschaffung meiner ersten guten Digitalkamera, habe ich mich trotz eigener Vorbehalte nach kurzer Zeit wie befreit gefühlt, von den Einschränkungen der analogen Welt und dies bis heute nicht bedauert.

Ich bin überzeugt davon, auch bei Herrn Rosing wird sich dieser Wandel absehbar einstellen. Wir werden es beide erleben, Herr Ludwig ;o)

Viele Grüße

Ist schon OK

Was die Diskussion zeigt, ist dass sicher auch eigene Vorlieben die Entscheidung mitbestimmt. Wir fanden es sehr interessant, dass Herr Rosing für sich mehr Gründe dafür sieht, beim Analogen zu bleiben, als andersherum.

Sehen Sie es uns nach, dass wir Herrn Rosing um sehr markante Statements gebeten haben - er ist kein dogmatischer sondern ein extrem freundlicher Mensch, der niemandem auf die Füsse tritt. Und wenn Sie genau hinhören schliesst er für sich nicht aus, auf digital umzusteigen.

Toller Beitrag den ich total nachvollziehen kann....

auch als Digital-Amateur-Fotografin.
Denn auch ich frage mich oft bei vielen Bildern, was und wie viel daraun in Postproduktion bearbeitet wurde. Ich selbst habe einige Versuche gemacht, da es sich natürlich anbietet. Aber für mich habe ich sehr schnell festgestellt, dass genau dies mir den Reiz an der Fotografie nimmt. Bitte nicht falsch verstehen. Auch ich genieße super bearbeitete Bilder, die aufgrund ihrer Bearbeitung noch schärfer ins Auge stechen, bevorzuge für mich aber die unbearbeiteten Bilder. Naja, vielleicht eine kleine Kontrastanpassung oder leichte Lichtkorrektur, wo nötig und möglich, aber ansonsten keine Tricks.
Vielleicht liegt das bei mir auch eher daran, dass ich meinen Stil, Weg und Kamera selbst erst noch richtig entdecken muss und daher keine Zeit damit verbringen möchte, aufwendig in Postproduktionen das zu korrigieren, was ich durch zu schnelles Drücklen des Auslösers selbst vermasselt habe.

Sehr gelungen

Toller Beitrag,
seine Argumente sind mir sehr sympathisch, seine Bilder auch.
Dass sich manche darüber so aufregen, zeigt mir, dass er einen Nerv getroffen hat.

Und sagen wir mal es wäre alles Humbug was er sagt (und das denke ich nicht) - wo bleibt da der Respekt vor seiner Arbeit und seiner Einstellung dazu?

Schade, dass die Hobbyliga am strengsten ist.