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Dias digitalisieren - selber machen oder einen Profi ranlassen?

Vor der Zeit von Digitalkameras und Smartphones wurden die wichtigsten Lebensereignisse für die Nachwelt analog auf Dias und Negativen festgehalten. Heutzutage fristen diese jedoch ein trostloses Dasein und nehmen auf Dachböden oder in Kellern viel Platz in Anspruch. Gerade während des Lockdowns der Corona-Pandemie haben viele Menschen die Zeit genutzt, um diese Räume auszumisten und haben dabei den ein oder anderen wertvollen Schatz in Form von Dias und Negativen entdeckt. Was aber macht man nun mit diesen? Die Lösung: Dias und Negative scannen und digitalisieren!

In diesem Beitrag wollen wir euch einmal einen umfangreichen Einblick in diese Thematik geben. Wir befassen uns mit Dingen wie dem Unterschied von Dias und Negativen, wie ihr die Digitalisierung selber durchführen könnt und was es dabei zu beachten gibt sowie einer Argumentation darüber, warum man es vielleicht doch lieber dem Profi überlassen sollte und vieles mehr. Viel Spaß beim Lesen!

Zunächst solltet ihr euch einmal die Frage stellen, warum ihr eure Dias und Negative überhaupt digitalisieren solltet, wenn ihr doch beispielsweise viel Platz besitzt und diese somit nicht störend sind. Der wohl wichtigste Punkt, den es zu beachten gibt, ist hierbei, dass Dias und Negative nicht ewig halten, selbst wenn sie optimal gelagert werden. Gerade bei Dias können Dinge wie Farbstiche und Farbverblassung die Erinnerungen, die bildlich festgehalten wurden, nahezu unkenntlich machen. Ist die Entscheidung zum Digitalisieren von Dias und Negativen aber erst einmal getroffen, steht man nun vor der nächsten Frage - selber digitalisieren oder vom Profi übernehmen lassen?

Wichtig ist außerdem zu wissen, welche Unterschiede es beim Scannen von Dias und Negativen gibt. Denn Dias haben einen deutlich größeren Dichteumfang als Negative – das bedeutet, dass auch in Schattenpartien und auf Schneeflächen noch Zeichnung da ist. Von daher ist beim Digitalisieren von Negativen besondere Sorgfalt bei der Kontrolle der Ergebnisse notwendig, um eventuell Anpassungen an den Einstellungen vorzunehmen.

Des Weiteren sollte man beim Scannen von Farbnegativen beachten, dass man wie beim Digitalisieren von Dias einen Durchlichtscanner benötigt. Außerdem wurden die Negativstreifen mit Papierhaltern geliefert – hier muss man besonders aufpassen, dass die Klebereste beim Scan des Streifens keine Probleme machen. In dem Beitrag zum Thema “Negative digitalisieren” erfahrt ihr einige weitere Tipps und Tricks zum Scannen von Negativen. Jetzt aber erst mal zurück zu den Dias!

Dias zu digitalisieren ist eine langwierige Arbeit. Ein professioneller Scan mit Staub- und Kratzerentfernung dauert bis zu fünf Minuten pro Bild. Bei einer großen Anzahl an Dias kann das eine unglaublich lange Zeit in Anspruch nehmen - und nicht jeder hat diese! Deshalb gibt es Anbieter wie z.B. die “Filmretter”, die sich auf das Digitalisieren von Dias spezialisiert haben. Diese bieten z.B. eine kostengünstige Scanvariante - ab 7 Cent pro Dia - an. Im Gegenzug mögen die wenigstens Menschen ihre Lebenszeit für solch einen Kurs “opfern”. Deshalb sollte ihr in Betracht ziehen, welchen Wert diese unzähligen Arbeitsstunden für euch haben.

Wenn ihr euch doch dazu entscheiden solltet, es selber zu machen, müsst ihr einige Dinge beachten: Wichtig ist ein guter Scanner, der über ICE-Staub- und Kratzerentfernung verfügt. Diese gibt es ab wenigen Hundert Euro bis zu mehreren Tausend. Die Seite filmscanner.info hat diverse Geräte getestet. Der Scanner wird über USB an den PC angeschlossen und dann kann es losgehen. Nach dem scannen kann man die Bilder zum Beispiel durch eine Autokorrektur in Photoshop laufen lassen, um unterbelichtete oder farbstichige Bilder zu korrigieren. Scannen sollet ihr mit mindestens 1.800 dpi, besser sogar 3.600 dpi – umso schärfer werden letztendlich die Ergebnisse.

Der Scan der Dias ist in diesem gesamten Prozess das A und O, wenn es um die Qualität geht. Was im Scan nicht drin ist, kann die Nachbearbeitung nicht magisch hervorzaubern. Wenn man sehr viele Dias bearbeiten möchte, kommt man um eine Autokorrektur nicht herum. Einzelne Motive, die man besonders wertschätzt, weil zum Beispiel die bereits verstorbene Großmutter zu sehen ist, möchte man vielleicht von Hand nachbearbeiten, um Staub und Kratzer manuell wegzustempeln und hinterher einen großformatigen Ausdruck für die Wand zu erzeugen.

Für das Entfernen von Staub und Kratzern gibt es allerdings einige Methoden, wobei die ICE-Methode besonders hervorzuheben ist. Die ICE-Methode scannt das Bild zwei Mal: ein Mal unter normalem Licht und ein Mal unter Infrarotlicht. Im Infrarot sind die Verunreinigungen für den Scanner klar zu erkennen und können mit intelligenter Bildbearbeitung herausgerechnet werden. So wird auch Staub entfernt, den das Auge selbst kaum wahrnimmt und der Scan wird deutlich brillanter. Digitale Bildbearbeitung, die ohne die Infrarot-Information auskommt, kann hierbei immer nur das zweitbeste Ergebnis sein.

Apropos Staub und Kratzer entfernen - unser Tipp an euch: Wertvolle Aufnahmen nie selbst reinigen oder polieren, sondern lieber den Fachleuten überlassen. Eventuell macht man damit mehr kaputt, als man an Qualitätsverbesserung erzielt. Natürlich gibt es neben Staub und Kratzern auf Dias auch solche, die sich langsam zersetzen. Hier ist vor allen Dingen schnelles Handeln gefragt, bevor der Zersetzungsprozess zu weit fortgeschritten ist. In so einem Fall würde man in der besten Qualität und mit der größten Farbtiefe digitalisieren, um den größten Spielraum in der Nachbearbeitung zu erhalten.

Nachdem ihr alle Dias digitalisiert habt, stellt sich nun noch eine weitere Frage. Was macht man eigentlich mit den Dias, nachdem man diese alle digitalisiert hat? Wer seine Dias weiter behalten möchte, sollte auf eine trockene Lagerung bei Raumtemperatur achten. Denn der größte Feind der Dias ist Feuchtigkeit – der Keller ist also meist der denkbar schlechteste Ort für die Aufbewahrung. Dienstleister wie die "Filmretter" bieten darüber hinaus auch eine umweltgerechte Entsorgung der Dias an – so habt ihr keinen Aufwand bei der Entsorgung und erhaltet außerdem euren Platz auf Dachböden und im Keller zurück!

Natürlich ist es aber damit auch noch nicht getan. Auch bei der Speicherung von digitalisierten Dias gibt es einige Dinge zu beachten. Wer schon einmal Dias auf eine CD oder DVD digitalisieren lassen hat, sollte hiervon zeitnah eine Sicherung auf einer Festplatte oder einen USB-Stick machen lassen, da auch die Scheiben nicht ewig halten. Wichtig: Auch USB-Sticks sind erfahrungsgemäß recht empfindlich und „sterben“ schon einmal durch statische Entladung beim Anstecken an den PC. Prinzipiell gilt: Je mehr Sicherungen, desto besser. Wer zum Beispiel zwei USB-Sticks hat und vielleicht noch ein Exemplar in die Cloud hochlädt, dem rauben auch Gefahren wie beispielsweise Hochwasser nicht die wertvollen Erinnerungen.

Aber was macht man nun eigentlich mit den digitalisierten Bildern? Auf einer Festplatte versauern lassen? Auf keinen Fall! Nach dem Scan habt ihr jede Nutzungsmöglichkeit, die ihr auch mit den Bildern aus eurem Handy habt. Mit nur wenigen Klicks könnt ihr so beispielsweise eine animierte Bildershow erstellen, die die langweiligen Diaabende aufpeppen. Oder wie wäre es mit Abzügen von wichtigen Motiven aus eurem Leben, die die Wand bereichern. Bilder können auf Social Media hochgeladen oder mit Freunden und Familie geteilt werden. Findet ihr gar historisch wertvolle Motive, freut sich jedes Museum über eine „digitale Spende“. Ihr seht also - eurer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Unser Fazit: Wie ihr seht, ist das Digitalisieren von Dias eine sehr aufwendige Sache, bei der es viele Dinge zu beachten gibt! Solltet ihr die Zeit haben, ist es aber natürlich möglich, sich dieser Aufgabe selbst anzunehmen. Dennoch sollte man nicht außer Acht lassen, was einem die eigene Arbeitszeit wert ist und ob es nicht effizienter wäre, einen Profi damit zu beauftragen.

Auch bei FotoTV. haben wir einen passenden Kurs zum Thema “Richtig Scannen”. Spezialist auf diesem Gebiet ist dabei Sascha Steinhoff. Ihr erfahrt unter anderem, welche Scannerarten es gibt, die Vor- und Nachteile von kostenloser und kostenpflichtiger Scannersoftware sowie den allgemeinen Scan-Workflow bei Negativen und Dias. Hier geht es zum Kurs! Viel Spaß beim Anschauen. Solltet ihr kein Vollmitglied sein, dann könnt ihr den Kurs hier außerdem käuflich erwerben.

10. August 2021 - 9:19

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